11. Jahrgang Nr. 5 / 27. Mai 2011 – 23. Ijjar 5771

„Was ich immer schon wissen wollte...“

Glossar mit Begriffen des Judentums von Rabbiner Dr. Joel Berger

CHASAN (Hebräisch)

Vorbeter der G-ttesdienste (Kantor). Er leitet als „Gesandter der Gemeinde“ die G-ttesdienste und trägt die Gebete - zumeist abwechselnd mit der Gemeinschaft der Beter - vor

CHASSID (Hebräisch) Der Fromme. Mehrzahl: Chassidim (die Frommen).

Unter dieser Bezeichnung wurden in der jüdischen Geschichte häufiger Gruppen bezeichnet, die die wesentlichen Teile der Gesetzgebung streng einhielten. Im Altertum, zur Zeit der Makkabäer (2. Jahrhundert vor der Zeitenwende), waren es die Gegner der Hellenisten; im Mittelalter, im Deutschland des 12. und 13. Jahrhunderts, wurde eine fromme Strömung als aschkenasische Chassidim (Chassidej Aschkenas) bekannt. In Osteuropa wurden die Nachfolger des Ba’al Schem Tow (Rabbiner Jisrael Ben-Elieser, 18. Jahrhundert) und deren Anhänger mit diesem Namen bezeichnet.

CHASSIDISMUS

Eine heute weltweite, fromme jüdische Bewegung, ursprünglich aus Osteuropa des 18. Jahrhunderts stammend. Die chassidische Bewegung ist in viele einzelne Strömungen unterteilt, die sich von den Gründern der jeweiligen Dynastie und von den einstigen Wirkungsorten ihrer Meister ableiten und sich bis heute nach ihnen benennen, wie z.B. die Belser, die Gerer, die Wischnitzer und die Lubawitscher (Chabad). Sie stellen sich die Aufgabe, jüdische Menschen, die den Bezug zur Religion und zur Tradition verloren haben, zum Judentum zurückzuführen. Die Chassidim betonen eine tief empfundene emotionale Gottesnähe. Chassidische Gruppierungen erkennen den Staat Israel (im Gegensatz zu religiösen Zionisten) nicht als den Beginn der Erlösung an, stehen ihm aber in der Regel positiv gegenüber. Eine wichtige Ausnahme bilden die Szatmarer Chassidim, die die Gründung eines jüdischen Staates vor der Ankunft des Maschiach (Messias) vehement ablehnen.