11. Jahrgang Nr. 5 / 27. Mai 2011 – 23. Ijjar 5771

Bitterer Nachgeschmack

Am 12. Mai 2011 wurde der ex-ukrainische KZ-Wächter John (Iwan) Demjanjuk vom Münchener Landgericht wegen der Beihilfe zum Mord an mindestens 28.000 Juden in Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt, sogleich aber unter Anrechnung der zweijährigen Untersuchungshaft auf freien Fuß gelassen. Diese Entscheidung begründete das Gericht mit dem hohen Alter des 91jährigen NS-Helfers. Wie der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, erklärte, hinterlässt Demjanjuks sofortige Freilassung einen bitteren Nachgeschmack. Allerdings fügte Kramer hinzu, dass auch die volle Verbüßung der Strafe, an Demjanjuks Taten gemessen, grotesk niedrig wäre. Die Gerichtsbarkeit, so Kramer, könne dem Holocaust nicht gerecht werden. Trotz dieser Tatsache sei es jedoch richtig gewesen, dass der Prozess gegen Demjanjuk angestrengt und durchgeführt wurde. Deutschland müsse deutlich machen, dass die schreckliche Dimension der Schoa nicht in Vergessenheit geraten ist und auch künftig nicht in Vergessenheit geraten wird.
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