11. Jahrgang Nr. 4 / 29. April 2011 – 25. Nissan 5771

Gut gemeint

Ein Knessetabgeordneter will Kinder vor lächerlichen Vornamen schützen

Der Knessetabgeordnete Swulun Orlew hat dem israelischen Parlament einen besonderen Gesetzentwurf vorgelegt. Orlew, Vorsitzender des Ausschusses für die Rechte des Kindes, will das Recht der Eltern auf freie Namenswahl ihrer Kinder einschränken: Falls der beantragte Name das Kind der Lächerlichkeit preisgeben und ihm sozial schaden würde, hätten Beamte des Innenministeriums laut dem Entwurf das Recht, die Eltern zu psychologisch-sozialer Beratung zu schicken und im Extremfall die Namensgebung zu verbieten – und zwar auch dann wenn es sich um keinen frei erfundenen, sondern um einen durchaus existierenden Namen handelt.. Als ein konkretes Beispiel, das zu seiner Kenntnis gebracht worden sei, nannte Orlew „Adolf“ – ein Name der seinerzeit unter europäischen Juden populär war, heute aber aus verständlichen Gründen keinen guten Ruf mehr hat. Selbst durchaus ehrbare Namen können einen Lächerlichkeitseffekt erzielen, etwa – so ein weiteres von Orlew genanntes Beispiel - Srubawel. In der Bibel war Srubawel ein Statthalter der Provinz Judäa, heute aber wird der Name als Karikatur empfunden.
Nun ist der Orlew ein erfahrener Politiker. Dennoch ist sein Vorstoß problematisch. Zum einen wirft er komplizierte verfassungsrechtliche Fragen auf. Zum anderen aber ist der Spielraum für Streitfälle gewaltig. So etwa sind klassische jüdische Namen wie Mosche oder Abraham, Sara oder Zippora in orthodoxen Kreisen üblich, kommen in der säkularen Umwelt aber als altmodisch an, von den unter Ultraorthodoxen häufigen hebräisch-jiddischen Namenskombinationen wie Efraim-Fischel, Schraga-Fajwl oder Simcha-Bunim ganz zu schweigen. Umgekehrt wäre ein biblischer Name wie Nimrod – nach rabbinischer Überlieferung ein Rebell gegen Gott –, für Strengorthodoxe eine Schande.
Zudem muss der Name zumindest bei jüdischen Jungen am achten Tag nach der Geburt feststehen, damit die Beschneidungszeremonie vorgenommen werden kann. Dass die Anhörung und die Beratung so schnell abgewickelt werden können, darf man bezweifeln. Damit bliebe gegebenenfalls nur eine nachträgliche Namensänderung – womöglich nach einem zermürbenden Gerichtsverfahren – als Option übrig. Deshalb wird bezweifelt, dass Orlews Vorschlag trotz der guten Absichten, die er verfolgt, tatsächlich umgesetzt werden kann.
wst