11. Jahrgang Nr. 4 / 29. April 2011 – 25. Nissan 5771

„Was ich immer schon wissen wollte...“

Glossar mit Begriffen des Judentums von Rabbiner Dr. Joel Berger

CHAREDI (Plural: Charedim, Hebräisch)

Anhänger einer streng gesetzestreuen, g-ttesfürchtigen Richtung des Judentums in aller Welt, oft auch „ultraorthodox“ genannt. Unter den Charedim gibt es verschiedene Gruppierungen. Die Unterschiede zwischen Charedim und anderen orthodoxen Richtungen sind teils äußerlich und teils spirituell. Äußerlich erkennbar sind die meisten Männer durch ihre lange, schwarze Oberkleidung, den charakteristischen Formen ihrer schwarzen Hüte und dem längeren Bart sowie den Schläfenlocken. Sie nehmen nur Speisen zu sich, die laufender Kontrolle durch ihre Kaschrut-Aufseher hergestellt werden und von ihren eigenen Rabbinern zertifiziert worden sind. Spirituell weisen sie konsequent jegliche Einflüsse der nichtreligiösen oder nichtjüdischen Außenwelt und deren Medien zurück. Von der modernen beziehungsweise nationalreligiösen Orthodoxie unterscheidet sie vor allem, dass jene in ihrem Leben in unterschiedlichem Maße, aber doch, Raum für die moderne Bildung, Wissenschaft und Kultur zulassen. Ein weiterer Unterschied besteht in der Einstellung zum Zionismus: Während die Mehrheit der Orthodoxie zionistisch ist und die Existenz des Staates Israel bejaht, interpretieren sehr viele Charedim die g-ttliche Offenbarung dahingehend, dass ein jüdischer Staat nicht als weltliches Menschenwerk und vor der Ankunft des Maschiach, des Erlösers, errichtet werden kann. Was die moderne Orthodoxie und die Charedim verbindet, ist die Hingabe zum einzigen G-tt und die konsequente Einhaltung der biblischen, wie der nachbiblischen Gebote einschließlich der verbindlichen Responsen (grundlegende Gesetzesauslegungen) der maßgeblichen rabbinischen Autoritäten.

CHAROSSET (Hebräisch)

Eine symbolträchtige Speise auf dem Sederteller, am Sederabend des Pessachfestes. Sie wird hergestellt aus geriebenen Äpfeln, Wein, Nüssen, Zucker und Zimt. Sie soll uns an den Mörtel erinnern, den unsere Vorfahren während der Sklaverei in Ägypten verwenden mussten.