11. Jahrgang Nr. 3 / 25. März 2011 – 19. Adar II 5771

Auf die Bühne, fertig, los

In Berlin fand der 10. „Jewrovision“-Gesangswettbewerb statt

Von Katrin Richter

In Berlin fand am 4. März ein ganz besonderes Kunstereignis statt: die „Jewrovision“. Die in dichter Anlehnung an den Eurovision Song Contest konzipierte Veranstaltung fand bereits zum zehnten Mal statt Bei der Jewrovision kommen Sänger aus verschiedenen jüdischen Jugendzentren Deutschlands zusammen, um ihre Kräfte auf der Gesangsbühne zu messen.
In Berlin ging es wie ganz wie bei den großen Stars zu. Erst recht war der Schirmherr prominent. Kein Anderer als Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit, hatte das Ereignis unter seine Ägide gestellt. In der Treptower Arena warteten 1.200 Kinder und Jugendliche darauf, dass die beiden Moderatoren, Eyal und Benny, das Startzeichen für das Großereignisses gaben. Aus zwölf Städten waren Fans und Familien der teilnehmenden Jugendzentren nach Berlin gekommen, um getreu dem Motto des diesjährigen Gesangswettbewerbs »Make Your Dreams Come True« ihre Träume wahr werden zu lassen. Das Berliner Jugendzentrum Olam war als Gastgeber dabei.
Kurz nach 21 Uhr löste sich die Anspannung beim Publikum. Kräftig applaudierten, pfiffen und winkten sich die Jugendlichen in Stimmung und begrüßten die hochkarätig besetzte Jury. Dieser gehörten neben der Filmproduzentin Alice Brauner die Berliner Sängerin Maya Saban, die MTV-Moderatorin Palina Rojinski, DJ Ilan, der Musiker Brandon Stone, die Schauspielerin Susan Sideropoulos und der Musiker Dave Turov an. Sie sollten am Ende dasjenige Jugendzentrum küren, das die beste Show präsentierte. Und die Entscheidung fiel nicht leicht.
Für alle Jugendlichen ist dieser Wettbewerb, der von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland ins Leben gerufen wurde, immer ein wichtiger Teil des Programms ihrer Jugendarbeit. Und alle gaben bei der Textarbeit, bei den Proben und bei der Show ihr Bestes. Unterstützung bekamen die Teilnehmer auch von Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die sehr stolz darauf war, dass die Jewrovision in der Hauptstadt stattfand.
Den wohl schwersten Part des Abends hatte das Stuttgarter Jugendzentrum Halev, denn es eröffnete den Wettbewerb – und zwar mit einer fulminanten Lichtshow. »Es sind die Träume, die uns Hoffnung geben«, sangen die Baden-Württemberger. Bevor die Bremer vom Jugendzentrum Atid mit Plüschteddys und viel Gefühl zeigten, was in ihnen steckt, traten die Jugendlichen von Re’ut aus Karlsruhe mit einer musikalischen Mischung aus Pop-, Oriental- und Salsa-Klängen auf. Und auch die Düsseldorfer von Kadima begeisterten das Publikum, bevor das Münchner Neshama mit einer durchgestylten Lichtshow die Bühne für die Hamburger von Chazak frei machte. Mit einer Breakdance-Einlage begeisterten diese die Berliner Arena.
Farbig wurde es anschließend beim Auftritt von Tikwatejnu (Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen). Ihre Darbietung brachte auch die Fans des auf sie folgenden Jugendzentrums Emuna aus Dortmund in die richtige Stimmung, um die Künstler auf der Bühne anzufeuern. Die wohl kräftigste Stimme der Jewrovision kam von Amichai aus Frankfurt am Main, während die schnellste Choreografie von der Kölner Gruppe aus dem Jugendzentrum Jachad aufs Parkett gelegt wurde. Bevor die Berliner Gastgeber von Olam die Halle zum Toben brachten, zeigten Nürnbergs Jugendliche von Mehalev und das Recklinghausener Agada-Zentrum, dass sich die langen Proben für ihre Show definitiv gelohnt hatten.
Auch für die Hosts des Abends, Benny und Eyal, stand nach diesem Song-Marathon fest: Eigentlich haben alle gewonnen, dich was wäre ein Wettbewerb ohne das berühmte Siegertreppchen? Und dieses bestieg mit 112 Punkten die Gesangs-Truppe von Olam, Gefolgt von Neshama München mit 92 und Amichai Frankfurt mit 91 Punkten. Und da laut den Jewrovision-Richtlinien die Gemeinde, die gewinnt, den nächsten Wettbewerb veranstaltet, heißt es im kommenden Jahr wieder „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“.