11. Jahrgang Nr. 3 / 25. März 2011 – 19. Adar II 5771

„Was ich immer schon wissen wollte...“

Glossar mit Begriffen des Judentums von Rabbiner Dr. Joel Berger

CHAMETZ (Hebräisch)

Gesäuertes. Als Chametz werden alle Arten von gesäuerten Speisen
beziehungsweise Lebensmitteln bezeichnet, deren Genuss und Aufbewahrung über Pessach verboten sind. Das Chametz-Verbot bezieht sich nicht nur auf Brot, das zumeist mit Sauerteig hergestellt wird, sondern auf alle Lebensmittel, die „aufgehen“ oder gären könnten, zum Beispiel Teigwaren, Mehl, bei den Aschkenasim auch Hülsenfrüchte und Reis. Daher verwendet man anstatt gewöhnlichen Mehls einen Mehlersatz, der aus Matza hergestellt wird (Matzemehl).

CHANUKKA (Hebräisch)

Tempelweihe. Zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels
unter Jehuda Hamakkabi im Jahr 165 v.d.Z. Chanukka ist ein nachbiblisches, achttägiges Lichterfest. Es fällt in den Dezember. Chanukka erinnert uns an den heldenhaften Freiheitskampf der Makkabäer
gegen die Hellenisten. Damals kämpfte eine Riesenarmee des Weltreiches gegen eine kleine Schar von Anhängern des Jehuda Hamakkabi.
Die kleine Gruppe besiegte die Übermacht, die Hellenisten wurden
aus Jerusalem verjagt, die Götzenstatuen aus dem Tempel entfernt.
Der Tempelleuchter – die Menora – sollte angezündet werden, doch es
fand sich kein Öl. Nach langem Suchen fand man ein kleines Kännchen reines Olivenöl, das aber nur für einen Tag gereicht hätte. Wie
durch ein Wunder hielt es aber acht Tage vor, denn so lange braucht
man, um neues Öl für die Menora herzustellen. Deshalb feiern wir
Chanukka acht Tage lang und zünden jeden Abend auf einem speziellen neunarmigen Chanukkaleuchter ein Licht mehr an. Dazu wird
die neunte Kerze, der „Diener“ benutzt (Hebräisch: Schamasch). Der
Leuchter wird nach Möglichkeit ans Fenster gestellt, um in der Dunkelheit zu strahlen.
Wie bei allen fröhlichen jüdischen Feiertagen werden Kinder miteinbezogen. Sie bekommen Geschenke, man singt, lacht und spielt und
lädt - wie immer - viele Freunde zu sich ein. Das Dreidl (Kreiselspiel)
passt natürlich zu den langen frostigen Winterabenden. Man spielt
dieses Spiel am Tisch, wobei jede Seite des Würfels mit einem anderen
hebräischen Buchstaben versehen ist. Die Buchstaben stehen für „ein
großes Wunder geschah dort“ beziehungsweise – in Israel – „ein
großes Wunder geschah hier“. Zur Erinnerung an das Ölwunder werden Speisen serviert, die mit viel Öl zubereitet werden, wie Latkes (Kartoffelpuffer) oder Sufganijot (Berliner).