11. Jahrgang Nr. 3 / 25. März 2011 – 19. Adar II 5771

Mutiger Retter

Neuseeländischer Polizist barg zwei Torarollen aus dem einsturzgefährdeten Chabad-Haus in Christchurch

Es ist keine Seltenheit, dass Juden sich in Gefahr begeben, um eine Torarolle zu retten. Im neuseeländischen Christchurch war der mutige Retter jedoch kein Jude, sondern ein nichtjüdischer Polizist. Der Fall trug sich nach dem verheerenden Erdbeben zu, das nicht nur mindestens 166 Tote, darunter drei israelische Touristen forderte, sondern auch unzählige Häuser zerstörte oder beschädigte. Zu den beschädigten Häusern gehörte unter anderem das im Stadtzentrum gelegene Haus der Chabad-Bewegung. Wegen Einsturzgefahr wurde die Gegend polizeilich abgesperrt.
Dennoch versuchte Shmuel Friedman, Chabbad-Rabbiner in Neuseelands zweitgrößter Stadt, in das Haus zurückzukehren, um die beiden dort befindlichen Torarollen zu retten. Allerdings wurde der auf seiner Mission von einem israelischen Touristen begleitete Rabbiner bereits an der ersten Absperrung von Polizist Chris Bell angehalten. Nachdem Friedman ihm die Bedeutung der Torarollen erklärte, ließ Bell jedoch Vorschrift Vorschrift sein und nahm die beiden im Streifenwagen zu dem teilweise eingestürzten und von weiteren Einstürzen bedrohten Chabad-Haus mit. Ihr Ansinnen, das Gebäude zu betreten, wies der Polizist jedoch zurück. Stattdessen setzte er einen Helm auf, streifte Sicherheitshandschuhe über und betrat selbst das Chabad-Zentrum. Als wenige Minuten später wieder auf die Straße trat, hielt er unter dem Arm die beiden Schriftrollen. Der Mann, lobte der überglückliche Rabbiner, sei ein Held. „Er sah aus“, beschrieb Friedman die Szene, „wie ein Feuerwehrmann, der ein Kind aus einem brennenden Gebäude in Sicherheit bringt.“ Die Chabad-Bewegung plant, ihr Haus in Christchurch wieder aufzubauen.
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