11. Jahrgang Nr. 3 / 25. März 2011 – 19. Adar II 5771

Schöpferische Vielfalt

Jüdische Kulturtage in Nordrhein-Westfalen eröffnet

Am 20. März fand in Dortmund die feierliche Eröffnung der jüdischen Kulturtage statt. Die nach 1998, 2002 und 2007 nunmehr zum vierten Mal stattfindenden Kulturtage sind ein zentrales Ereignis des jüdischen Lebens wie des Kulturgeschehens im bevölkerungsreichsten Bundesland. Einen Monat lang werden landesweit mehr als 500 Veranstaltungen aus den Bereichen bildende Kunst, Film, Literatur, Musik sowie Tanz und Theater angeboten. Das zweite Element des Programms sind Begegnungsprojekte, die einen Einblick in das große, in den Gemeinden entstandene kreative Potenzial vermitteln. Dabei spielt die Arbeit der aus der ehemaligen Sowjetunion zugewanderten Künstler und Kulturschaffenden eine wichtige Rolle An den jüdischen Kulturtagen, die unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, und des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, stehen, sind 52 Städte und 14 jüdische Gemeinden beteiligt. Die Federführung des Programms liegt, wie bereits 2007, beim Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein. Allerdings wirkten auch der Landesverband Westfalen-Lippe und die ihm angehörenden Gemeinden sowie die eigenständige Jüdische Synagogengemeinde Köln an dem Programm mit.
In seiner bei der Eröffnung gehaltenen Ansprache bekundete Dr. Graumann seine Anerkennung für die Kulturtage von Nordrhein-Westfalen. „So eine Fülle, Dichte und Intensität“, stellte er fest “,das ist eine geballte Ladung von jüdischer Kultur pur. Das hat es so noch gar nicht gegeben.“ Die jüdischen Kulturtage seien zugleich eine wichtige Investition in eine gemeinsame Zukunft, in Toleranz und in die gegenseitige Akzeptanz. Deshalb plädierte Dr. Graumann dafür, die jüdischen Kulturtage, in Nordrhein-Westfalen und überall in Deutschland, künftig jährlich zu veranstalten. „Wiederholung und Nachahmung“, erklärte der Zentralratspräsident, „sind ausdrücklich erwünscht!“ Dr. Graumann ging auch auf die Rolle der jüdischen Kulturtage für die Stellung der jüdischen Gemeinschaft in der bundesdeutschen Gesellschaft ein. „Mit den jüdischen Kulturtagen können wir Juden“, führte Dr. Graumann aus, „auch ein Stück Offenheit zeigen, deutlich machen: Wir sind da! Wir Juden in Deutschland wollen nicht im Ghetto leben, ja auch nicht im Ghetto unserer Traumata. Und: Wir leben auch nicht in einer Parallel-Gesellschaft - nein: WIR gewiss nicht -, sondern mitten im Leben, mittendrin, lebendig, rührig, munter, ja putzmunter. Wir wollen Berührungsängste abbauen und Kontakte knüpfen und stärken.“
Die Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe und Kulturdezernentin im Präsidium des Zentralrats, Hanna Sperling, würdigte die Tatsache, dass fast alle in diesem Jahr am Programm teilnehmenden Akteure und Künstler aus der Region kämen, nachdem die jüdischen Kulturtage in früheren Jahren auf Künstler aus Israel und den USA angewiesen waren. Die Tatsache, dass ein solches Programm mit vor Ort lebenden Künstlern gestemmt werden konnte, sei als sehr positives Signal für die Zukunft zu werten. Das Kaleidoskop jüdischer Kultur in Deutschland sei mehrfarbiger geworden. Die Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes würdigte die Förderung jüdischen Lebens in NRW durch die Landesregierung von Hannelore Kraft, die damit in der Tradition ihrer Vorgänger stehe – von Johannes Rau über Wolfgang Clement, Peer Steinbrück und Jürgen Rüttgers. Hanna Sperling unterstrich auch den Einsatz und die Zusammenarbeit der Organisatoren und der zahlreichen einzelnen Unterstützer und rief die Öffentlichkeit auf, von dem breit gefächerten Angebot der Kulturtage regen Gebrauch zu machen.
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