11. Jahrgang Nr. 2 / 25. Februar 2011 – 21. Adar I 5771

Scheine

Wer darf die neuen Schekelscheine schmücken? Über diese Frage wird in Israel bereits seit drei Jahren gestritten.

Anfang 2008 wurde die Wahl der auf neuen, fälschungssicheren Banknoten abzubildenden Persönlichkeiten einem hochkarätigen Expertengremium anvertraut. Dessen erste Anregung – der Begründer des politischen Zionismus Theodor Herzl sowie drei Ministerpräsidenten: David Ben-Gurion, Menachem Begin und Jitzchak Rabin - wurde von Finanzminister Juwal Steinitz aber als politiklastig, langweilig und frauenfeindlich kritisiert. Ein Jahr später Jahr legte das Komitee schmollend eine reine Literatenliste vor, zwei Frauen inklusive. Das aber war dem Gouverneur der Bank von Israel, Stanley Fischer, und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu offenbar zu unkonventionell. Ende 2010 entschieden sich die beiden deshalb für die Dichterin Rachel Bluwstein und den Literaturnobelpreisträger Schai Agnon, aber auch für Begin und Rabin.
Ausgestanden ist der Streit damit nicht: Erstens lehnt Begins Familie die Abbildung ihres Ahnherrn ab. Zweitens ätzte der bekannte Ökonom Schlomo Maos, alle zu Ehrenden seien Aschkenasen: ein Vorwurf, den der mehrheitlich von orientalischen Wählern abhängige Premier nicht ganz ignorieren kann. Nun muss die Regierung entscheiden, welche Promis auf die Scheine kommen. Fast könnte man meinen, dass Israel keine schwerwiegenderen Probleme hat.
wst