11. Jahrgang Nr. 2 / 25. Februar 2011 – 21. Adar I 5771

Die Beatles in der Synagoge

Jüdischer Musiker vertont traditionelle Schabbat-Lieder mit Schlagermelodien der berühmten Rockband

Eine Verbindung zwischen den Beatles und dem Judentum zu finden, ist nicht so leicht. Allenfalls, dass ihr Manager bis 1967 Brian Epstein hieß und britischer Jude war. Oder, wenn man will, dass die israelische Regierung Mitte der sechziger Jahre einen Auftritt der Beatles in Israel wegen der damals befürchteten „zersetzenden Wirkung“ der Gruppe auf die Jugend vereitelt hat. Die Beatles, klagte zu jener Zeit der stellvertretende Erziehungsminister Aharon Jadlin vor der Knesset, würden bei jungen Zuhörern hysterische Ausbrüche auslösen, in deren Gefolge Polizeikräfte mobilisiert werden müssten. Dafür hat sich Israel übrigens vor drei Jahren offiziell entschuldigt und einen der damaligen Beatles, Paul McCartney zu einem – von begeisterten Massen frequentierten - Konzert in Tel-Aviv eingeladen. Ob das aber wirklich etwas mit Jüdischkeit zu tun hat, darf man freilich bezweifeln.
Dagegen ist es dem Musiker Lenny Solomon tatsächlich gelungen, eine direkte Koppelung zwischen der legendären Rockband und jüdischer Spiritualität herzustellen: Auf Vorschlag eines Freundes hat er jüdische Gebete mit Beatles-Melodien unterlegt und für den Gottesdienst in der Synagoge vertont. Die Synagogenfassungen der Hits hat Solomon sogar auf eine CD gepresst, die im November letzten Jahres in die Geschäfte kam. Vor einigen Wochen wurden sie erstmals auch im echten Schabbat-Gottesdienst gesungen. Standort des nicht alltäglichen Ereignisses war die orthodoxe Young-Israel-Synagoge in der im Bundesstaat Florida liegenden Stadt Hollywood. In den USA gibt es außer der kalifornischen Filmfabrik vier weitere Städte mit demselben Namen.
Solomon selbst nennt sein Werk nicht ohne Selbstironie „Nussach Liverpool“ , also „Gebetsstil von Liverpool“, der Stadt, in der die Beatles zu Hause waren: parallel zu Nussach Aschkenas oder Nussach Sefarad (Gebetsstil aschkenasischer beziehungsweise sefardischer Juden). Für viele traditionelle Juden etwas ungewohnt, für Beatle-Fans aber durchaus ansprechend werden etwa in Solomons Version des Schabbat-Liedes „We-Schamru“ (sie hüteten) die Worte„L’assot et ha-Schabat ledorotam Brit-Olam“ (den Schabbat für alle Generation zum ewigen Bund machen) nach derselben Melodie gesungen, nach der die Beatles für ein Mädchen schwärmten: „I know this love of mine will never die - and I love her”. “En ke-Elohenu” (Keiner ist wie unser Gott) wiederum hört sich an wie der berühmte Beatles-Hit “Let it Be”.
Der Schöpfer des etwas anderen Gottesdienstes sieht seine Arbeit allerdings nicht als einen Scherz, sondern als eine echte Möglichkeit, Menschen den Zugang zu Gott zu erleichtern. „Jedes Lied“, erklärt er, „hat einen heiligen Funken. Es ist die Aufgabe des jüdischen Musikers, die besten Melodien der säkularen Welt zu nehmen und sie aus der Finsternis ins Licht zu bringen.“ Dank der Beatles-Töne, hofft Solomon, werden viele Juden, die der Synagoge normalerweise fernbleiben, an die Gebettexte herangeführt werden. Er gibt zu, am Ende des ersten Beatles-Gottesdienstes vor Stolz gestrahlt zu haben, räumt aber auch ein, dass der erste Versuch, das Gebet nach dem „Nussach Loverpool“ zu führen noch Mängel hatte. Diese hofft er, bei weiteren Gottesdiensten beheben zu dürfen. Es ist eben nicht dasselbe, ob man eine CD im Studio aufnimmt oder vor und mit Betern in einem echten Gotteshaus singt.
Die CD selbst hat Solomon mit seiner Band, „Shlock Rock“ (zu Deutsch Ramsch-Rock“) aufgenommen. Kurze Ausschnitte einzelner Songs können auf der Website der Band unter der Internetadresse: http://catalog.shlockrock.com/product_info.php?cPath=21&products_id=669 gehört werden.
JTA/zu