10. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2010 – 23. Kislev 5771

Israels Anteil an der jüdischen Weltbevölkerung nimmt zu

In Deutschland die achtgrößte jüdische Bevölkerungsgruppe der Welt / Ausgeglichene Migrationsbilanz zwischen Israel und der Diaspora

Im Herbst 2010 lebten in Israel rund 5,7 Millionen Juden. Das geht aus Angaben des israelischen Zentralamts für Statistik fort. Das relativ schnelle Wachstum der jüdischen Bevölkerung setze sich in den letzten zwölf Monaten mit einer Zunahme um 1,7 Prozent fort. Demgegenüber, so Professor Sergio DellaPergola, ein führender Experte für jüdische Demographie und Leiter des Lehrstuhls für die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora an der Hebräischen Universität in Jerusalem, nahm die Zahl der Juden außerhalb Israels Grenzen in derselben Zeitspanne um 0,2 Prozent ab. Deshalb stieg der Anteil der in Israel lebenden Juden weiter an und liegt heute bei 43 Prozent der jüdischen Weltbevölkerung. Der Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. In absehbarer Zeit stellen die israelischen Juden mehr als die Hälfte der jüdischen Weltbevölkerung dar. Wie DellaPergola im Gespräch mit der ZUKUNFT erklärte, finden heute rund 60 Prozent aller jüdischen Geburten in Israel statt.
In den Vereinigten Staaten, so DellaPergola, leben rund 5,3 Millionen Juden. Zwar handelt es sich bei dieser Zahl, wie bei allen Bevölkerungsangaben für die Diaspora, um eine Schätzung, doch ergibt sich daraus, dass die israelischen Juden ihre Glaubensbrüder in den USA quantitativ klar überrundet haben. Auf Israel und die USA entfallen insgesamt 83 Prozent der jüdischen Weltbevölkerung, die bei circa 13,3 Millionen liegt. Die mit 485.000 Personen drittgrößte jüdische Bevölkerungsgruppe lebt in Frankreich, gefolgt von Kanada mit 375.000, Großbritannien mit 292.000, Russland mit 205.000 und Argentinien mit 182.000 Juden. Für Deutschland weist DellaPergolas Statistik eine jüdische Bevölkerung von 119.000 Juden aus. Wie bekannt, liegt die Mitgliederzahl der im Rahmen des Zentralrats der Juden in Deutschland zusammengefassten Gemeinden bei 106.000. Damit ergibt sich aus den Angaben des israelischen Demographen, dass weitere 13.000 Juden in Deutschland keiner oder aber einer der wenigen jüdischen Gemeinden angehören, die sich dem Zentralrat nicht angeschlossen haben. Heute ist in der Bundesrepublik die achtgrößte jüdische Bevölkerungsgruppe der Welt zu Hause. Knapp hinter Deutschland liegen Australien und Brasilien mit einer jüdischen Bevölkerung von jeweils 108.000 beziehungsweise 96.000 Personen.
Die Auswanderung nach Israel spielt heute keine nennenswerte Rolle bei der demographischen Schrumpfung der Diaspora. Damit unterscheidet sich die Situation von den neunziger Jahren, dem Jahrzehnt, in dem in Israel 956.000 Olim (Einwanderer) verzeichnet wurden. Mit 822.000 kamen in den Jahren 1990 bis 1999 sechs Siebtel der Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion. Auch wenn der nichtjüdische Anteil an der Immigration subtrahiert wird, haben in den neunziger Jahren neun bis zehn Prozent der Diasporabevölkerung ihren Wohnsitz nach Israel verlegt. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Israel in dieser Zeit mehrere Zehntausend seiner Bürger durch Abwanderung verloren hat, fiel die Differenz unter dem Strich massiv zu Israels Gunsten aus.
Heute sind die Zahlen viel niedrige. Im abgelaufenen hebräischen Jahr (September 2009 – September 2010) sind nach Angaben der Jewish Agency 15.200 Einwanderer in Israel eingetroffen. Dabei lässt sich grob schätzen, dass 5.000 bis 6.000 von ihnen keine Juden waren, darunter Zuwanderer aus Äthiopien, die zwar von Juden abstammen, aber - anders die erste Welle der äthiopischen Alija – in Israel erst formal zum Judentum übertreten müssen. Damit lässt sich die Zahl der aus der Diaspora nach Israel auswandernden Juden auf circa 10.000 beziffern. Eine ähnliche Zahl von Auslandsisraelis kehrt jährlich nach Israel zurück, während rund 20.000 jüdische Einwohner ihren Wohnsitz in die Diaspora verlegen. Im Gesamtergebnis gleichen sich die zwischen Israel und der Diaspora ausgetauschten Wanderungsströme in etwa aus.
Die Zahl der aus Deutschland nach Israel auswandernden Juden ist gering. Nach Angaben des israelischen Zentralamtes für Statistik wurden zwischen 2007 und 2009 im Durchschnitt 90 Einwanderer jährlich verzeichnet, die ihren letzten Wohnsitz in der Bundesrepublik hatten. Pro Jahr entspricht das 0,8 Promille der in Deutschland ansässigen jüdischen Bevölkerung. Im Vergleich lag die Rate der jüdischen Auswanderung nach Israel in Frankreich in den letzten Jahren bei rund 2,5 Promille und in Großbritannien bei circa 2,1 Promille, während es in den USA nur 0,5 Promille waren. Bei diesen Angaben ist die Zahl nichtjüdischer Olim, die nach dem Rückkehrgesetz einwanderungsberechtigt ist, nicht gesondert erfasst, doch ist der Anteil dieses Personenkreises an der Einwanderung aus Westeuropa und Nordamerika gering.
wst