10. Jahrgang Sonderausgabe / 18. November 2010 – 11. Kislew 5771

Ein Gebot der Zukunft

Der Zentralrat stärkt die geistigen Grundlagen des jüdischen Lebens in der Bundesrepublik

Die beiden letzten Jahrzehnte waren eine stürmische Periode im jüdischen Leben in Deutschland. Durch die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion hat sich die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinden gegenüber der Zeit vor dem Mauerfall mehr als verdreifacht. Heute beträgt sie 106.000. Für die Gemeinden, Landesverbände und den Zentralrat stand und steht die Betreuung der schnell gewachsenen jüdischen Gemeinschaft im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Das gilt nicht nur für die physische Infrastruktur, die durch den Bau neuer Synagogen und Gemeindezentren wie auch durch die Gründung neuer Gemeinden enorm expandieren konnte, sondern auch für eine Sicherung der geistigen Substanz. Zu diesem Zweck fördert der Zentralrat Einrichtungen, die die jüdische Tradition stärken und jüdisches Wissen vermitteln.

• Der Zentralrat arbeitet eng mit der Deutschen Rabbinerkonferenz zusammen. Deren Mitglieder sind alle Gemeinderabbiner sind, die entweder in einer dem Zentralrat angehörenden Gemeinde amtieren oder einem Landesverband des Zentralrats angehören. Die Rabbinerkonferenz besteht aus zwei unabhängigen Teilorganisationen: der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) und der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK), die nichtorthodoxe Rabbiner vereinigt.
• Der Zentralrat fördert die Arbeit der beiden in Deutschland tätigen Rabbinatsgerichte, die jeweils von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland beziehungsweise der Allgemeinen Rabbinerkonferenz unterhalten werden und von Gemeindemitgliedern zur Klärung religiöser Fragen beziehungsweise Problemfälle angerufen werden können.
• Der Zentralrat fördert die beiden in Deutschland tätigen Rabbinerausbildungsstätten: das liberale Abraham-Geiger-Kolleg und das orthodoxe Hildesheimersche Rabbinerseminar (beide in Berlin).
• Der Zentralrat ist einer der Träger der Beis-Zion-Jeschiwa (ebenfalls Berlin), die aufs Engste mit dem Hildesheimerschen Rabbinerseminar kooperiert.
• Der Zentralrat finanziert die Tätigkeit mehrerer Rabbiner, die kleine Gemeinden ohne einen festen eigenen Gemeinderabbiner betreuen.
• Der Zentralrat ist an der Finanzierung der Hochschule für Jüdische Studien (Heidelberg), die sich über herkömmliche akademische Forschung und Lehre hinaus auch der wissenschaftlichen Bildung angehender Rabbiner widmet sowie Kantoren und Religionslehrer ausbildet. Im Mai 2010 wurde die Hochschule mit der Eröffnung eines Neubaus erheblich erweitert.

Die anhaltende Festigung rabbinischer Betreuung, des Religionsunterrichts und der jüdischen Erwachsenenbildung wird auch in den kommenden Jahren ein Hauptanliegen des Zentralrats bleiben. Nur so lässt sich ein blühendes jüdisches Leben auch in der Zukunft gewährleisten.