10. Jahrgang Nr. 10 / 29. Oktober 2010 - 21. Heshvan 5771

Die Opfer geehrt

Das Land Baden Württemberg gedenkt der Toten des Internierungslagers Gurs

Am 24. Oktober hat eine Delegation des Landes Baden-Württemberg mit Ministerpräsident Stefan Mappus an der Spitze im südfranzösischen Gurs der Opfer des an diesem Ort während des Zweiten Weltkrieges bestehenden Internierungslagers gedacht. Die Gedenkveranstaltung fand zum 70. Jahrestag der Deportation von mehr als 6.500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland nach Gurs. Viele von ihnen fanden im Lager, vor allem wegen einer durch die sanitären Missstände ausgelösten Typhus- und Ruhrepidemie, den Tod. 1.167 der 1.187 Internierten, die im Winter 1940/41 in Gurs beigesetzt wurden, waren Juden. 3.000 weitere jüdische Gefangene wurden von Gurs nach Auschwitz und Sobibor verschleppt.

Während der Gedenkzeremonie führte Ministerpräsident Mappus aus: „Die Gräber der Deportierten erinnern die Lebenden an die Verbrechen des NS-Regimes und konfrontieren uns mit den Folgen von Unrecht und Gewalt.“ Wie Mappus ferner erklärte, übernähmen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland auch Verantwortung für die Pflege der Gräber und hielten somit das Andenken der Opfer wach. Mappus dankte der Arbeitsgemeinschaft badischer Städte unter Führung von Karlsruhe, der Gedenkinitiative „Amicale du Camp de Gurs“ sowie der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, die sich seit Jahren gemeinsam mit den französischen Partnern der Region um die Erinnerung an die Opfer bemühten.

Neben Vertretern der Landesregierung gehörten der Delegation die Vorstandssprecher der Israelitischen Religionsgemeinschaften Württembergs und Baden, Barbara Traub und Wolfgang Fuhl, sowie der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, an. Fuhl würdigte die guten und in den letzten Jahren immer enger gewordenen Beziehungen zwischen dem Land Baden-Württemberg und den Israelitischen Religionsgemeinschaften.

Der badische Landesrabbiner Benjamin Soussan, der die Gruppe gemeinsam mit dem deutschen Generalkonsul Eberhard Schuppius am Flughafen empfing, betonte: „Im jüdischen Glauben kommt dem Grab eine besondere Bedeutung zu. In ihm wartet der Verstorbene auf die Auferstehung und daher werden jüdische Grabstätten traditionell nicht aufgehoben. Wir sind all unseren Freunden dankbar, die uns helfen, die Belange der Toten zu schützen.“