10. Jahrgang Nr. 9 / 17. September 2010 – 9. Tischri 5771

Ein Meilenstein

In Leipzig wurden Shlomo Afanasev und Moshe Baumel als Rabbiner ordiniert

In der historischen Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig fand am 30. August die feierliche Rabbinerordination von zwei Absolventen des Rabbinerseminars zu Berlin, Shlomo Afanasev und Moshe Baumel, statt. Es handelt sich um die zweite Ordination des Seminars, nachdem den ersten von ihm ausgebildeten Stundenten im Juni 2009 in München die Rabbinerwürde zuerkannt worden war. Damit stellt die Leipziger Ordination einen weiteren Meilenstein im wieder erstarkenden jüdischen Leben in Deutschland dar.
Bei der Ordinationsfeier unterstrich die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, die Bedeutung, die die Ordination für das Judentum in Deutschland heute hat. „Rabbiner geben unserer Gemeinschaft einen stabilen geistigen Unterbau“, betonte sie. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, hob ebenfalls die Bedeutung der Feierstunde in Leipzig hervor, „einer Stadt, die neben ihrer Bedeutung als Kunst- und Musikmetropole vor allem auch für ein lebendiges Judentum gestern und heute steht.“ Lauder wünschte den beiden neuen Rabbinern Erfolg bei ihrer Tätigkeit. Der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, Küf Kaufmann, würdigte unter anderem die Rolle des Zentralrats der Juden in Deutschland und des Landes Sachsen bei der Förderung jüdischen Lebens in der Stadt.
Rabbiner Shlomo Afanasev wurde in Taschkent, Usbekistan, geboren. Nachdem er mit seiner Familie zunächst nach Leipzig übersiedelte, nahm er sein Studium an der Yeshivas Beis Zion in Berlin auf und setzte seine Ausbildung am Rabbinerseminar fort. Nach seiner Ordination wird Rabbiner Afanasev, der im weltlichen Beruf Finanzmanagement studiert hat, in den jüdischen Gemeinden im Land Brandenburg tätig sein. Rabbiner Moshe Baumel immigrierte 1991 als Kind mit seiner Familie aus dem litauischen Wilna nach Berlin. Hier erlangte er an der Oberschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die Hochschulreife. Danach lernte er an der Yeshivas Beis Zion in Berlin und bereitete sich auf das Studium am Rabbinerseminar vor. Parallel dazu absolvierte er ein Studium der Kunstgeschichte und Antiquitätenkunde am Ferninstitut Darmstadt. Rabbiner Baumel wurde an die Zwi-Perez-Chajes-Schule der Israelitischen Kultusgemeinde Wien als Schulrabbiner und als jüdischer Leiter berufen. Die Absolventen des letzten Jahrgangs, Rabbiner Zsolt Balla und Rabbiner Avraham Radbil, arbeiten seit ihrer Ordination in der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig beziehungsweise in der Synagogengemeinde Köln. Auch künftig sollen Studenten des Seminars im Jahresrhythmus ordiniert werden.
Das Rabbinerseminar zu Berlin, eine Nachfolgeeinrichtung des legendären Hildesheimer‘schen Rabbinerseminars, geht auf gemeinsame Initiative des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Ronald S. Lauder Foundation zurück. Das 2005 eröffnete Seminar verwirklicht mit seiner Arbeit die Aufgabe, deutschsprachige Rabbiner auszubilden. Es ist nach dem 1873 von Rabbiner Esriel Hildesheimer eröffneten Rabbinerseminar benannt. Die seinerzeit als eine der wichtigsten Ausbildungseinrichtungen für orthodoxe Rabbiner in ganz Europa geltende Institution wurde 1938 von den Nazis geschlossen.
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