10. Jahrgang Nr. 7 / 23. Juli 2010 – 12. Aw 5770

Ehrendes Gedenken

Israelitische Kultusgemeinde München ehrt jüdische Gefallene des Zweiten Weltkrieges

Von Miryam Gümbel

Die Israelische Kultusgemeinde in München hat einen Gedenkstein für die im Kampf gegen Nazi-Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten errichtet. Das auf Deutsch und Russisch beschriftete Ehrenmal wurde am 22. Juni auf dem Jüdischen Friedhof an der Garchinger Straße in Anwesenheit zahlreicher Veteranen, der Generalkonsuln Russlands und der Ukraine, des Vorstands der IKG und vieler Gemeindemitglieder sowie des Rabbiners Steven Langnas enthüllt.
Das Datum – der Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion im Jahre 1941 – war für diese Zeremonie und dieses Gedenken bewusst gewählt worden. Zu Beginn der feierlichen Gedenkstunde in München gedachte der Druschba-Chor der jüdischen Gefallenen mit der jiddischen Partisanenhymne „Sog nit kejnmol as du gejst dem letztn Weg". Zentralratspräsidentin Dr. h.c. Charlotte Knobloch griff eine Textzeile des Liedes in ihrer Ansprache auf: „Mir sejnen do." Sie fuhr fort: „Ja, das sind wir. Und das ist Ihnen zu verdanken, verehrte Veteranen. Seit 65 Jahren sind Sie unsere Helden. Sie waren es, die uns, gemeinsam mit rund 500.000 anderen jüdischen Soldaten der sowjetischen Armee, von der braunen Pest befreit haben. Sie haben Ihr Leben riskiert, um dieses Land aus den Fängen der Nationalsozialisten zu befreien. Wie auch ich, so haben unzählige jüdische Menschen Ihrem grenzenlosen Mut und Ihrer unendlichen Tapferkeit ihr Leben zu verdanken. Juden, die in den Konzentrationslagern der Nazis bereits dem Tod geweiht waren; Juden, die jahrelang in würdelosen Verstecken um ihr Leben bangten – sie alle konnten erhobenen Hauptes jene Orte der Erniedrigung, ja der Entmenschlichung, verlassen. Sie gaben ihnen ihr Leben zurück."
Gesiegt haben, so Charlotte Knobloch weiter, "vor 65 Jahren die Armee der Anti-Hitler-Koalition, Partisanen und Antifaschisten in verschiedenen Ländern. Die sowjetische Armee jedoch, in deren Reihen viele jüdische Soldaten gekämpft haben, leistete einen entscheidenden Beitrag. Sie brachte aber auch – und ich verbeuge mich vor den Toten – das größte menschliche Opfer. 250.000 jüdische Soldaten der Roten Armee fielen im Zweiten Weltkrieg. Vor diesen Soldaten, die auf dem Schlachtfeld für uns den Heldentod gestorben sind, verneige ich mich aufrichtig. Wir, die wir unser Leben leben durften, sowie unsere Nachkommen sind es diesen Helden schuldig, dass kein einziger von ihnen jemals vergessen wird."
In dieses Gedenken einbezogen ist die Verpflichtung für die Gegenwart. Der russische Generalkonsul in München, Andrej Grosow, brachte dies mit folgenden Worten zum Ausdruck: „Wir sind überzeugt, dass die Hauptlehre aus dem Zweiten Weltkrieg die Erziehung der Gesellschaft im Geiste der Respektierung der Menschenwürde, der Verehrung des Menschenlebens, der Bewahrung des historischen Gedächtnisses jedes Volkes ist." Yuriy Yarmilko, der Generalkonsul der Ukraine, erinnerte daran, dass der Zweite Weltkrieg nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts war. Die Gefallenen dürften nicht vergessen werden. Für die Zukunft sei es notwendig, dass Versöhnung und gegenseitige Verständigung als Lebensprinzipien von Generation zu Generation weitergegeben werden. Rabbiner Avigdor Bergauz erinnerte an das Gebot „Du sollst nicht morden". Er betonte, dass nur dann, wenn die Menschen die Gebote einhielten, eine neue Katastrophe verhindert werden könne. Anschließend enthüllten zwei ehemalige Frontkämpfer, David Dushman und Boris Mayzlin, den Gedenkstein.
Dann wurden im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, der Russischen Föderation, der Ukraine, der jüdischen Veteranen sowie des Vereins „Phoenix aus der Asche" Kränze und Blumen niedergelegt. Nachdem Kantor Sacha van Ravenswade eindrucksvoll das El Male Rachamim vorgetragen hatte, gedachten die Anwesenden der Gefallenen und legten traditionsgemäß kleine Steinchen auf das Ehrenmal.

aus: Jüdische Allgemeine Nr. 26 vom 01. Juli 2010

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Ehrentafel in Berlin

Am 30. Juni wurde im Hof des Gemeindehauses der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Fasanenstraße eine Ehrentafel mit Namen aller Kriegsveteranen, die Mitglieder der Berliner Gemeinde sind oder waren, feierlich enthüllt. Die bronzene Ehrentafel wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag des Sieges über den Faschismus aufgestellt. Sie ehrt jüdische Soldaten des Zweiten Weltkrieges, die gegen den Nationalsozialismus und damit für die Freiheit und Unabhängigkeit der Völker Europas gekämpft haben. Gestiftet wurde das Projekt von der Tochter des verstorbenen Kriegsveteranen Pavel Verbitski, Elena Bonnenberg-Verbitskaja, und ihrem Ehemann Dr. Heinrich Bonnenberg.

Jakov Reznik, Vorsitzender des Klubs der Kriegsveteranen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin