5. Jahrgang Nr. 5 / 27. Mai 2005 - 18. Ijar 5765

60 Jahre danach

Feierstunden, Demos und Reden zum Tag der Befreiung

Sechs Jahrzehnte nach dem Sieg der Alliierten über die nationalsozialistische Gewaltherrschaft hat Deutschland mit zahlreichen Feiern am 8. Mai an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert. Die Feierstunde von Bundestag und Bundesrat bewies: Wenn es um die Verteidigung der Menschenrechte als Lehre aus den Schrecken der Nazi-Diktatur geht, stehen alle Demokraten in Deutschland zusammen. Das in aller Regel sich streitende Parlament präsentierte sich an jenem Sonntag in seltener Eintracht. So gelang es Bundespräsident Horst Köhler gleichermaßen mit nur vier Worten die politischen Lager im Parlament zu einen: «Es gibt keinen Schlussstrich.» Für diesen Satz erhielt das Staatsoberhaupt von allen Fraktionen viel Beifall. Denn die Aussage stand ganz im Gegensatz zu dem von der NPD für den 8. Mai angemeldeten Aufzug durch Berlins Mitte unter dem Motto «60 Jahre Befreiungslüge - Schluss mit dem Schuldkult». Köhler lobte das Miteinander aller demokratischen Kräfte des Landes im Kampf gegen Intoleranz, Ausländerfeindlichkeit und neonazistische Umtriebe.

Um zu verhindern, dass Bilder von demonstrierenden rechtsextremen Nazis um die Welt gehen würden, hatten die demokratischen Parteien, Verbände und Religionsgemeinschaften am 8. Mai zum „Tag für Demokratie“ aufgerufen und mehr als 100.000 Berliner und Gäste waren dem Aufruf gefolgt. "Ich bin begeistert, dass so viele Menschen den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung feiern", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, mit Blick auf die erfolgreiche Veranstaltung. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse äußerte sich in diesem Sinne. «Ich grüße und begrüße die Menschen am Brandenburger Tor auch stellvertretend für alle, die mithelfen, dass weder unsere Straßen und Plätze noch unsere Sprache und unser Denken noch einmal Feinden der Demokratie, dumpfen Nationalisten und Rassisten überlassen bleiben.»
dpa/zu