5. Jahrgang Nr. 4 / 29. April 2005 - 20. Nissan 5765

„Liebes- und Musengeschichten“

Ausstellung zur Exil-Literatur ist im Herbst Jerusalem zu sehen

„Die Stärke meiner Hoffnung ist unsere Auferstehung“, schreibt der Slowake Hugo Sonnenschein, der Auschwitz überlebte und 1953 im Zuchthaus Mirov starb. Verfolgt von zwei totalitären Regimen, schöpfte der jüdische Dichter mit dem Künstlernamen Sonka Lebenskräfte aus seiner Liebe zu der Berlinerin Elfriede Jähn. Die geliebte „Friedl“ wartete vergebens auf Sonkas Rückkehr und nahm sich nach dem Krieg das Leben.

Beider Schicksal dokumentieren Briefe, Fotos, Gedichte in der Ausstellung „Liebes- und Musengeschichten – das fragile Glück im Unglück von Verfolgung und Exil“. Neun weitere Autoren und die Lyrikerinnen Else Lasker-Schüler und Selma Meerbaum-Eisinger werden in der Literaturschau wieder lebendig. Die Ausstellung, hervorgegangen aus der Sammlung des Publizisten Jürgen Serke, ist ab 29. September zu sehen in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem.

Seit über 30 Jahren sammelt Serke das literarische Erbe widerständiger, verfemter, vergessener Autoren. Früchte seiner Recherchen sind zahlreiche Publikationen, darunter das Buch „Böhmische Dörfer“ von 1987, dessen Biografien 47 tschechische Dichter zurückholte ins öffentliche Gedächtnis. Die „Liebes- und Musengeschichten“, entstanden in Zusammenarbeit mit der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft in Wuppertal. Sie lenken den Blick auf verschollene literarische Werke und ihre Autoren, deren Lebenswege anhand jeweils einer schicksalhaften Liebesbeziehung nachgezeichnet werden.

Rund 2000 Schriftsteller waren in der NS-Zeit der Verfolgung ausgesetzt. Wie einige von ihnen den ständigen Kampf um ihr Leben und ihre Liebe bestanden, wird gegenwärtig in den vielen persönlichen Erinnerungsstücken der Ausstellung. Sechs Jahre lang wanderte sie durch deutsche Städte, im Oktober 2004 wurde die Schau in Prag gezeigt. Die Station in Jerusalem ist ihr wichtigster Schritt in die außereuropäische Öffentlichkeit. MH