10. Jahrgang Nr. 2 / 26. Februar 2010 - 12. Adar 5770

Vorsicht, Tefillin!

Dürfen Juden im Flugzeug ihre Tefillin (Gebetsriemen) anlegen? Im Prinzip ja, doch können die Folgen überraschend sein. Das musste ein jüdischer Teenager auf White Plains im Bundesstaat New York erleben, als er auf einem Flug von New York nach Kentucky aufstand, sich in eine ruhige Ecke stellte und seine Tefillin anlegte. Einer Stewardess kamen die kubischen Gebetskapseln wie Sprengstoffbehälter und die Armriemen wie Zündkabel vor. In Zeiten des Terrors ging die wachsame Flugbegleiterin kein Risiko ein und meldete ihren Verdacht dem Cockpit. In der Folge wurde der Flug zu einer Notlandung in Philadelphia umgeleitet, wo Polizisten den verdutzten Siebzehnjährigen festnahmen und einem Verhör unterzogen. Glücklicherweise kam bei dem Vorfall niemand zu Schaden.
Während sich einige Juden über den Vorfall amüsiert und andere verärgert zeigten, bot Rabbiner Shmuel Greenberg aus White Plains, der den jungen Mann und seine Familie kennt, jüdischen Flugreisenden halachischen Rat. Zwar sei das zeitgerechte Anlegen von Tefillin durchaus Pflicht, doch dürfe man in Situationen, in denen die rituelle Handlung Panik auszulösen droht, das Gebet im Flugzeug ohne die Gebetsriemen aufsagen und deren Anlegen nach der Landung nachholen. Das Anlegen von Tefillin ist ein zentrales Gebot im Judentum und ist täglich außer am Schabbat durchzuführen.
Die Mitzwa des Tefillinanlegens wird im Tanach erwähnt, unter anderem im 5. Buch Mose Kap. 6,4 – 9, Worte, die sich auch im Schma Jisrael, dem zentralen Glaubensbekenntnis des Judentums, wieder finden: Höre Israel, der Ewige ist unser G’tt, der Ewige ist einzig. Du sollst den Ewigen, deinen G’tt, lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft. Diese Worte, die Ich dir heute befehle, seien in deinem Herzen, schärfe sie deinen Kindern ein und sprich davon, wenn du in deinem Haus sitzest, und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst. Binde sie zum Zeichen an deine Hand, sie seien zum Stirnschmuck zwischen deinen Augen. Schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und deiner Tore.
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