10. Jahrgang Nr. 2 / 26. Februar 2010 - 12. Adar 5770

Führungswechsel

Im Zentralrat der Juden in Deutschland wird in diesem Jahr ein Führungswechsel fällig. Am 7.2.2010 erklärte Zentralratspräsidentin Dr. h.c. Charlotte Knobloch gegenüber dem Direktorium und dem Präsidium des Zentralrats an, nach Ende ihrer bis November laufenden Amtsperiode für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung zu stehen. Dr. h.c. Knobloch erklärte ferner, sie wolle bewusst einen Generationswechsel herbeiführen. Dies nahmen die beiden Gremien mit Respekt und Anerkennung zur Kenntnis.

Dr. h.c. Knobloch wurde in das Spitzenamt des Zentralrats der Juden in Deutschland im Jahre 2006 gewählt. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt bekleidet. Ihre Vorgänger waren Dr. h.c. Heinz Galinski, Herbert Lewin, Werner Nachmann, Ignatz Bubis und Dr. h.c. Paul Spiegel. Der Präsident beziehungsweise die Präsidentin des Zentralrats sowie dessen beide Vizepräsidenten werden von dem aus neun Mitgliedern bestehenden Präsidium gewählt.

Ebenfalls am 7. Februar wurde der 2. Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Offenbach am Main, Mark Dainow, ins Präsidium des Zentralrats gewählt. Dainow rückte für das im Oktober 2009 verstorbene Präsidiumsmitglied Nathan Kalmanowicz sel. A. nach. Der Diplomingenieur Dainow wurde 1948 in Minsk geboren, verließ im Jahre 1972 die Sowjetunion und ließ sich im Jahre 1973, nach einem kurzen Aufenthalt in Israel, in der Bundesrepublik nieder.

Wie Dainow gegenüber der „Zukunft“ erklärte, setzt er sich für eine wechselseitige Kultur der Anerkennung zwischen zugewanderten und alteingesessenen Gemeindemitgliedern ein. Als Präsidiumsmitglied wolle er sich auch der Vermittlung jüdischen Bewusstseins widmen. Angesichts der bei vielen Zuwanderern ungenügenden Kenntnis der jüdischen Religion, Kultur und Geschichte sei dies erforderlich. Die Zuwandererfamilien in den Schoß der jüdischen „Grossfamilie“ aufzunehmen und ihnen eine Heimat zu geben, ist nach Dainows Überzeugung eine für die Zukunft des Judentums in Deutschland zwingende Aufgabe.
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