10. Jahrgang Nr. 1 / 29. Januar 2010 – 14. Schwat 5770

Ein Seemonster im Himmel

Uranus und Neptun erhalten hebräische Namen

Seit Anfang 2010 haben die beiden äußersten Planeten des Sonnensystems hebräische Namen. Auf Initiative der israelischen Akademie für die hebräische Sprache haben Liebhaber des Hebräischen Uranus den Namen Oron gegeben. Das Wort bedeutet soviel wie Lichtlein und weist Lautähnlichkeit zu der griechisch-lateinischen Vorlage auf. Neptun heißt fortan Rahaw, so benannt nach dem gleichnamigen biblischen Meeresungeheuer und damit in gewissem Sinne ein Pendant zum Meeresgott Neptun. Im Tanach kommt Rahaw als ein von Gott bezwungenes Meeresungeheuer zweimal vor: „Von seiner Kraft wird das Meer plötzlich ungestüm, und durch seinen Verstand zerschmettert er Rahaw“ (Das Buch Hiob 26:12) und „Du schlägst Rahaw zu Tode; du zerstreust deine Feinde mit deinem starken Arm (Buch der Psalmen 89:11).
Da die beiden Planeten in der Antike unbekannt waren, gab es für sie bisher keine hebräischen Parallelnamen. Anlass der Umbenennungsaktion war das für 2009 ausgerufene Internationale Astronomiejahr. Anfang 2009 waren israelische Sprachliebhaber aufgefordert worden, Vorschläge für die Umbenennung einzusenden. Experten der Akademie wählten jeweils zwei Ideen aus und stellten sie Ende Oktober zur Stichwahl auf. Anschließend hatten interessierte Bürger zwei Monate Zeit, ihre Stimme per Internet abzugeben.
Die neuen Namen schließen sich den bisher schon bestehenden hebräischen Bezeichnungen von Himmelskörpern des Sonnensystems an. So lautet der hebräische Name der Sonne Schemesch. In der kanaanitischen Mythenwelt war Schemesch oder Schepesch die Göttin der Sonne. So dürfte der Name ohne die im monotheistischen Judentum bei Himmelskörpern unzulässigen göttlichen Attribute ins Hebräische Eingang gefunden haben. Ein weiterer Name der Sonne, Chama (die Heiße) ist heute in einigen Zusammensetzungen wie Likuj Chama (Sonnenfinsternis) üblich. Der Mond heißt Jareach. Dieser Begriff ist bis auf die Vokalisierung mit dem Wort für Lunarmonat, Jerach, identisch.
Die in der Antike bekannten Wandelsterne haben seit vielen Jahrhunderten hebräische Namen. Eine der frühesten Quellen, in denen hebräische Planetenbezeichnungen zu finden sind, ist der babylonische Talmud. Allerdings erwähnen auch andere rabbinische Werke der nachbiblischen Zeit die damals bekannten Planeten. Dass Merkur der Sonne am nächsten ist, war bereits damals bekannt. Daher wurde er im Hebräischen Kochaw Chama genannt, wörtlich: Stern der Sonne. Das helle Licht der Venus verhalf ihr zu dem Namen Noga – Hebräisch für Leuchten oder Glanz. Der Name der Erde, Eretz, ergab sich aus der Bibel: „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde (ha-Aretz)“, während Ma’adim (Mars) eine Ableitung von adom (rot) ist und auf die rötliche Färbung des vierten Planeten zurückgeht.
Der Jupiter trägt den hebräischen Namen Zedek (Gerechtigkeit). Der Talmud bezieht den Namen auf Jesaja. Eine andere Vermutung besagt, dass Zedek vom lateinischen Gott Jupiter inspiriert wurde, weil dieser für Recht und Gerechtigkeit zuständig war. Eine weitere Theorie bezieht Zedek auf die gleichnamige Gottheit des kanaanitischen Volkes der Jebusiter – auch in diesem Fall ohne theologische Gemeinsamkeiten. Der Saturn schließlich wurde in der Antike mit dem siebten Tag der Woche assoziiert, möglicherweise, weil er der letzte Planet des damals bekannten Sonnensystems war. Auch im jüdischen Kulturkreis wurde der hebräische Name des Saturn, Schabtai, vom letzten Tag der Woche, dem Schabbat, abgeleitet.
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Glossar

  • Schemesch/ Chama – Sonne
  • Kochaw Chama (Stern der Sonne) – Merkur
  • Noga (Glanz) – Venus
  • Eretz (Erde)
  • Ma‘adim (Der Rötende) – Mars
  • Zedek (Gerechtigkeit) – Jupiter
  • Schabtai (Schabbat-Stern) – Saturn
  • Oron (kleines Licht) – Uranus
  • Rahaw – Neptun
  • Jareach – Mond