9. Jahrgang Nr. 12 / 18. Dezember 2009 – 1. Tewet 5770

Die Bundeswehr – nichts für Judenhasser

Der Bund jüdischer Soldaten tagte in Berlin

Die Bundeswehr entwickelt sich immer mehr zu einer multireligiösen und multiethnischen Armee. Damit wird sie für Antisemiten und Rechtsextremisten, die in den Streitkräften gern einen Hort Gleichgesinnter sehen möchten, zunehmend unattraktiv. Dies ist das Fazit einer vom Bund jüdischer Soldaten bei seiner Jahrestagung durchgeführten Plenumsdiskussion zum Thema „Antisemitismus in der Bundeswehr und ihrem Umfeld“. Die junge Führungsgeneration der deutschen Armee habe nichts mehr mit den oft noch von Wehrmachtsoffizieren geprägten militärischen Spitzenkräften der achtziger und neunziger Jahre gemeinsam. Die antisemitischen und rechtsorientierten Äußerungen mancher Ex-Generäle sähen aktive Soldaten zunehmend als Belastung und Ärgernis. Auch für Islamisten ist die Bundeswehr kein dankbares Betätigungsumfeld.
Die Experten waren sich einig, dass Muslime, die Dienst in der Bundeswehr leisten wollen, besonders integrationswillig und wenig empfänglich für islamistische Propaganda sind. Der zunehmende Antisemitismus in der islamischen Bevölkerung in Deutschland werde kaum Zugang in die Bundeswehr finden. Paradox genug: Islamisten, Rechtsextreme und so manche antisemitisch eingestellte „Linke“ sehen die Bundeswehr als eine Hilfstruppe des „internationalen Zionismus“. So werde die Bundeswehr zunehmend selbst zum Angriffsziel von Antisemiten.
Unter Moderation des Stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Bundes jüdischer Soldaten, Gideon Römer-Hillebrecht, nahmen an der Diskussion Annabel Wahba (Die Zeit), Dr. Maximilian Flach (Leitung Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr), Klaus Faber (Koordinierungsrat deutscher Nichtregierungsorganisationen gegen den Antisemitismus), Dr. Hilmar Steffen, Verfassungsschutz des Landes Sachsen-Anhalt sowie Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und Ehrenvorsitzender des Bund jüdischer Soldaten teil.
Bei seiner Jahrestagung zeichnete der Bund jüdischer Soldaten den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, Christian Schmidt, mit dem Alfred-Dreyfus-Preis aus. Mit dem Preis würdigte der Bund nicht nur Schmidts Engagement in der Erinnerungs- und Gedenkarbeit auf, sondern auch und vor allem sein zukunftsorientiertes Eintreten für die berechtigten Interessen der jüdischen Bundeswehrangehörigen. Während andere gerne über das deutsch-jüdische Verhältnis redeten, erklärte Michael Berger, Vorsitzender der jüdischen Soldatenvereinigung, habe sich Schmidt beispielhaft dafür eingesetzt.
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