9. Jahrgang Nr. 11 / 20. November 2009 – 3. Kislew 5770

Alter Schatz

Ehemalige Synagoge in Erfurt als Museum eröffnet

Am 26. Oktober wurde in Erfurt ein einzigartiges Museum eröffnet: die Alte Synagoge. In dem vor rund neunhundert Jahren erbauten ehemaligen Gotteshaus – es handelt sich um das älteste bis zum Dach erhaltene Synagogengebäude in Mitteleuropa – ist nun eine Sammlung alter Ausstellungsobjekte zu sehen, unter anderem jüdische Handschriften, die Einblick in die Geschichte der Erfurter Juden geben. Als besonderer Blickfang dient aber der so genannte alte Schatz: Eine Gold- und Silbersammlung, zu der Münzen, Barren und Becher gehören.

Der „alte Schatz“ hat einem jüdischen Kaufmann gehört, der dem Erfurter Pogrom von 1349 zum Opfer fiel. Mit diesem Ausbruch der Gewalt war die Blütezeit der ersten jüdischen Gemeinde beendet. Die Synagoge ging in christlichen Besitz über und wurde auch bei rund ein Jahrzehnt späteren Neuansiedlung jüdischer Familien nicht rückübereignet. Stattdessen bauten die Juden eine andere Synagoge, doch war ihr Verbleib in Erfurt nicht von Dauer: Mitte des 15. Jahrhunderts, wurden die jüdischen Bewohner erneut aus Erfurt vertrieben, diesmal für mehr als drei Jahrhunderte. Erst im 19. Jahrhundert durften sich Juden in der Stadt ansiedeln und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Stadt. Während der NS-Zeit konnten 250 Erfurter Juden auswandern. Die anderen wurden deportiert und bis auf fünfzehn Überlebende von den Nationalsozialisten ermordet. Heute zählt die Jüdische Gemeinde knapp 350 Mitglieder.

Unterdessen überstand die alte Synagoge die Wirren der Zeit. Ein halbes Jahrtausend diente sie als Speicher und wurde im 19. Jahrhundert in eine Gast- und Vergnügungsstätte verwandelt. Weil das Gebäude keine jüdische Bindung mehr hatte, konnte es auch die Reichspogromnacht von 1938 überstehen.

Heute ist die Alte Synagoge als historisches Baujuwel anerkannt. Bei Bauarbeiten im Jahre 1998 kam auch der bis dahin in Versenkung liegende „alte Schatz“ wieder ans Tageslicht. Bei der Eröffnungsfeier bezeichnete die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, das Museum als wichtigen Bestandteil historischer Aufklärung: „Ich wünsche mir“, so Knobloch, „dass das reiche jüdische Erbe Erfurts zu einem besseren Verständnis von Juden und Nichtjuden, aber auch zum Zusammenwachsen der jüdischen Gemeinschaft beiträgt.“ An dem Festakt nahmen auch der israelische Botschafter Yoram Ben Zeev sowie der Erfurter Bischof Joachim Wanke teil.