9. Jahrgang Nr. 11 / 20. November 2009 – 3. Kislew 5770

Nicht ohne Vorurteile

Antijüdische Vorurteile in den Vereinigten Staaten haben einen Tiefstand erreicht, bleiben aber zum Teil noch stark verbreitet. Das ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage der jüdisch-amerikanischen „Liga gegen Verunglimpfung“ (Anti Defamation League – ADL). Nach Mitteilung der Organisation wurden im Ergebnis der diesjährigen Umfrage insgesamt zwölf Prozent der Befragten, als vorurteilsbelastet eingestuft. Hierbei handelt es sich um Personen, die mindest sechs von elf ihnen vorgelegten antisemitischen Stereotypen zugestimmt haben. Einen ähnlich niedrigen Wert konnte der seit 1964 ermittelte Antisemitismusindex nur 1998 verbuchen. Das Ergebnis bedeutet aber nicht, dass die übrigen Befragten frei von Vorurteilen wären.
So wurden Personen, die drei bis fünf der antijüdischen Thesen bejahten, als neutral bezeichnet. Das waren immerhin 31 Prozent. Teilnehmer, die keines oder nur eines der elf Vorurteile für wahr halten, gelten als „grundsätzlich vorurteilsfrei“. Sie stellten 57 Prozent der Befragten. Das mit 43 Prozent am meisten verbreitete Stereotyp ist, dass Juden stärker als andere Amerikaner zusammenhalten, gefolgt von der Vorstellung, Juden seien Israel gegenüber loyaler als gegenüber den USA. Dieser Meinung sind 30 Prozent der nichtjüdischen US-Bürger. Dagegen glaubt jeweils „nur“ jeder achte Amerikaner, Juden sei das Schicksal von Nichtjuden gleichgültig beziehungsweise, jüdische Geschäftsleute seien weniger ehrlich als ihre nichtjüdischen Berufskollegen.
wst