9. Jahrgang Nr. 11 / 20. November 2009 – 3. Kislew 5770

Welt ohne Öl

Israel wird in Kürze ein nationales Forschungsprogramm zur Entwicklung alternativer Energiequellen in Angriff nehmen. Das kündigte im Oktober Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an. Damit, so der Regierungschef, soll die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von Erdöl und anderen fossilen Energieträgern gemindert werden. Das Forschungsprogramm soll innerhalb eines Jahrzehnts zur Entwicklung von Technologien führen, die eine Ablösung fossiler Stoffe durch Sonnenenergie, Wasserstoff, Wasser und andere Alternative möglich machten.
Nach Netanjahus Auffassung vermag der Markt nicht die kritische Masse an Aktivitäten zu erzeugen, die für eine solche Entwicklung erforderlich wären. Deswegen seien im vorliegenden Fall staatliche Förderung und Lenkung nötig. Einzelheiten des Programms sollen von einem Expertengremium aus Vertretern der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Regierung formuliert werden. Die Ergebnisse der israelischen Forschung sollen weltweit Anwendung finden.
Sollte das Programm von Erfolg gekrönt sein, würde Israel einen wichtigen Beitrag zum globalen Umweltschutz leisten, doch streben die Israelis nicht nur ökologische, sondern auch geopolitische Vorteile an. Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen, so Netanjahu, stärke menschenfeindliche Regime, die Instabilität förderten und mit ihren Petrodollar den Terrorismus anfachten. Daher würde das neue Programm Israels Sicherheit stärken. In ökonomischer Hinsicht wiederum drohe eine Ölverknappung die Energiepreise weiter in die Höhe zu treiben.
Nach Netanjahus Auffassung hat Israel durchaus die Fähigkeit, das ehrgeizige Ziel zu erreichen. Das Land verfüge über die weltweit zweithöchste Konzentration technologischen Wissens und sei nicht nur im Bereich der Sonnenenergie, sondern auch auf Gebieten wie Nanotechnologie führend. Auch die hohe Verfügbarkeit von Wagniskapital stelle einen Vorteil dar. Indessen betonte Netanjahu, dass auch Partner aus dem Ausland gern gesehen sind und rief „kluge Köpfe und Talente hier und in der Welt“ zum Engagement bei dem neuen Programm auf.
wst