15.11.2009

Gedenkrede des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, zum Volkstrauertag am 15.11.2009 in der Hauptkirche St. Michaelis zu Hamburg

Mediendienst 15.11.2009

Berlin, 28. Cheschwan, 5770, 15.November.2009

Wir gedenken heute der Toten der beiden Weltkriege, der gefallenen Soldaten zu denen im ersten Weltkrieg 130.000 Juden, davon 12.000 jüdische Soldaten in der deutschen Armee gehörten, und Millionen getöteter Zivilisten, unschuldigen Männern, Frauen und Kindern. Wir gedenken der Opfer von Vertreibung und Gefangenschaft, ohne dabei Ursache und Wirkung der Grauen der Nazibarbarei zu verwechseln. Wir gedenken der Toten des Widerstandes gegen Diktaturen und Regime in Deutschland und in vielen anderen Staaten dieser Welt. Wir alle gedenken auch des unermesslichen Leids, das den Opfern des nationalsozialistischen Rassenwahns und der Vernichtungspolitik durch, Entrechtung, Deportation und fabrikmäßige Ermordung auf staatlichen Befehl hin widerfahren ist. Wir gedenken auch der Opfer des Kalten Krieges und der Teilung Deutschlands und ganz Europas durch den Eisernen Vorhang. Die Opfer des Terrorismus schließen wir ebenso in unser Gedenken ein, wie auch ausdrücklich, die deutschen Soldaten und Polizisten, aber auch Entwicklungshelfer, die bei Friedensmissionen in der Welt ums Leben gekommen sind.

Der Volkstrauertag hat eine lange und bewegte Tradition und es lohnt sich in die Geschichtsbücher hineinzuschauen. Als der Tag nach dem ersten Weltkrieg im Jahre 1922 auf betreiben des Volksbundes eingeführt wurde, stand nicht „befohlene" Trauer im Vordergrund, sondern Solidarität mit den Familienangehörigen und trauernden Hinterbliebenen. Die Nationalsozialisten machten aus dem Trauertag einen „Heldengedenktag", um die „Verherrlichung der Helden" und den Mythos vom Heldentod für ihre schändlichen Absichten zu missbrauchen. Mit der Wideraufnahme der Tradition des Volkstrauertages 1950 wurde die alte Zielsetzung wieder in den Vordergrund gehoben und gilt bis heute fort. Der Präsident des Volksbundes, Reinhard Führer, hat die Bedeutung dieses Tages auf den Punkt gebracht: „Der Volkstrauertag ist ein bedeutender Bestandteil unserer Erinnerungskultur. Es ist ein Tag des Innehaltens, des Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie ein Tag der Solidarität mit ihren Familien. Er konfrontiert uns mit der Vergangenheit und dem Auftrag, das Vermächtnis der Opfer zu erfüllen, indem wir uns nachhaltig für ein friedliches Zusammenleben einsetzen."

Über nationale Schranken hinweg will uns dieser Tag in der allgemeinmenschlichen Trauer um Opfer der Kriege und der Gewalt vereinen; aus dem Erschrecken über das millionenfache Sterben heraus soll der Trauertag den Überlebenden, den Hinterbliebenen, den Nachgeborenen eine über die Gräber hinweg greifende Versöhnung ans Herz legen. Das Motto des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge „Versöhnung über den Gräbern" unter dem heute in über 45 Staaten rund zwei Millionen Soldatengräber betreut werden, macht dies auf eindrucksvolle Weise deutlich.

Ich selbst gehörte vor vielen Jahren, zu einer Gruppe von THW-Jugendlichen, die im Rahmen dieser Programme Gräber von gefallenen Soldaten verschiedenster Nationen auf Friedhöfen in Frankreich und Österreich während der Sommerferien gepflegt und instand gesetzt haben. Die aus dieser internationalen Zusammenarbeit über den Gräbern entstandenen Erfahrungen, Eindrücke, Freundschaften und Beziehungen haben mich bis heute nachhaltig geprägt.

Frieden, der aus überwundener Feindschaft erwächst: Das ist ein Gebot für unsere Zeit, eine Vision für die Zukunft und ein Ziel, dem wir alle verpflichtet sein müssen. Deshalb bin ich für die Möglichkeit, vor Ihnen als Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland, heute hier sprechen zu können, dankbar. Für das Judentum ist die Vision eines universellen Friedens zentral. Der Prophet Jesaja malte die Friedensvision mit den ewig gewordenen Worten des Tanach, der hebräischen Bibel: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

Dies, so der Prophet, wird auf Gottes Veranlassung geschehen, entspricht also dem göttlichen Plan für unsere Welt. Deshalb ist der Krieg ein widernatürlicher Zustand. Auch der Einzelne kommt erst im Frieden zum Zustand der Ruhe. „Ein jeder", ergänzt in diesem Zusammenhang der Prophet Micha, bei dem sich dieselbe Friedensvision findet, „wird unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum wohnen". Ohne äußere Sicherheit können wir unsere innere Sicherheit nämlich nicht finden. Damit bleibt unser Leben unerfüllt.

Als Juden hatten wir im 20. Jahrhundert millionenfach Tote zu beklagen. Sechs Millionen Angehörige unseres Volkes fielen nicht auf dem Schlachtfeld, sondern wurden von Schergen des NS-Regimes ermordet. Nun stimmt es, dass jedes Menschenleben zu beklagen ist, doch ist der Holocaustopfer auf besondere Weise zu gedenken. Sie sahen sich einer Mordmaschine gegenüber, die die von ihr zum Feind erklärten Juden nicht nur besiegen wollte – bei einer wehrlosen Zivilbevölkerung wäre auch dieses Ziel grotesk -, sondern das ganze jüdische Volk zu vernichten suchte. Die grausame Einmaligkeit des Holocaust verlangt von denjenigen, die objektiv keine Schuld tragen, keine Schuldgefühle, aber Verantwortung. Aus dem Wissen, um das was geschehen ist wird die Verantwortung von uns allen, damit meine ich auch uns alle, gleich welcher Hautfarbe, Volkszugehörigkeit oder Religion abverlangt, dafür einzutreten und das gilt in der Politik und in der Öffentlichkeit ebenso wie im persönlichen Umfeld, dass es sich niemals wiederholt, egal welche Minderheit zum Ziel von Rassismus, Intoleranz oder Hass gemacht wird.

Nach meiner Überzeugung muss das an diesem Tag mit unmissverständlicher Klarheit ebenfalls gesagt werden. Und ich möchte in diesem Zusammenhang unserer Frau Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel, stellvertretend für viele weitere bekannte und weniger bekannte Politiker und Persönlichkeiten in allen demokratischen Parteien und in unserer ganzen Gesellschaft danken, die die immerwährende historische Verantwortung im Bewusstsein um die nationalsozialistische Vernichtungspolitik, gerade zuletzt während der Feierlichkeiten zum Fall der Mauer und damit der deutschen Wiedervereinigung am 9. November, vor wenigen Tagen, der auch Gedenktag zur sog. „Reichspogromnacht" ist, ohne jeden Zweifel bekräftigt hat und auch für die kommenden Generationen weiterhin sichtbar machen will.

Mehr als 60 Jahre nach der Befreiung wird mir oft die Frage gestellt, ob es nicht endlich Zeit sei, mit den ständigen Erinnerungen und Mahnungen aufzuhören und im Zuge des sich neu formierenden Europas und der gegenwärtigen Krisen, Konflikte und Herausforderungen, die Vergangenheit als bewältigt anzusehen und nur noch in die Zukunft zu schauen.

Uns geht es bei unseren Mahnungen nicht vordringlich um mehr Namen auf Gedenksteinen oder mehr Grabstätten, oder um eine Besserstellung als Minderheit, sondern um Warnung für die Zukunft vor dem Ungeist der Vergangenheit. Wie aktuell diese Warnung ist, dafür genügt ein Blick in die Gegenwart in Deutschland, aber auch in ganz Europa. Man muss feststellen, dass viele, aber nicht alle aus der Vergangenheit die nötigen Lehren gezogen haben. Antisemitismus, Antizionismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind wieder verbreitet. Damit wir uns nicht missverstehen, die Mehrheit der Deutschen will keinen Rassismus, keine Fremdenfeindlichkeit und keinen Antisemitismus, und das macht Mut, aber auf diesem Befund sich auszuruhen, reicht nicht aus. Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht die Weimarer Republik, aber wir sollten auch nicht vergessen, dass die erste deutsche Demokratie nicht an zu vielen Nazis, sondern an zu wenigen Demokraten, die sich nicht genügend für die Demokratie eingesetzt haben, zu Grunde gegangen ist.

Juden waren im 20. Jahrhundert aber nicht nur Opfer – eine Rolle, in der unsere Gegner uns so gerne sehen -, sondern auch Kämpfer. Und als ein über den Globus verstreutes Volk hatten Juden in vielen Armeen und an vielen Fronten Tote zu beklagen. Im Ersten Weltkrieg dienten in den Armeen der Großmächte rund 1,2 Millionen Juden. Rund jeder Elfte ist gefallen. Auch in den deutschen Streitkräften standen Juden zwischen 1914 und 1918 an vorderster Front. Zu Beginn des Krieges meldeten sich Tausende freiwillig. Jüdische Organisationen riefen ihre Mitglieder auf, in den Krieg für das deutsche Vaterland zu ziehen. Gleichzeitig fand an der Heimatfront bereits die infame „Judenzählung" statt, mit der man nachweisen wollte, dass die Juden weniger zum Dienst fürs Vaterland bereit wären, als das gemessen an der Bevölkerungsstärke zu erwarten gewesen wäre. Es kam anders: Die Studie durfte nicht veröffentlich werden, da sich herausgestellt hatte, dass es anteilig weit mehr nichtjüdische Drückeberger gegeben hat, als Juden. Die deutschen Juden kämpften und starben für Deutschland – 12.000 kehrten aus dem Krieg nicht heim – und hofften nach dem Krieg, dank ihres Beitrags und ihrer Opfer die lang ersehnte Gleichstellung in der deutschen Gesellschaft zu erringen. Es kam, wie man weiß, auf tragische Weise anders. Die im Krieg verdienten höchsten Kriegsauszeichnungen und Tapferkeitsmedaillen waren auf den Rampen von Auschwitz nichts mehr wert. Der posthum so schrecklich betrogenen jüdischen Gefallenen des ersten Weltkrieges wollen wir heute ebenfalls gedenken.

Während des Zweiten Weltkrieges verzichtete das nationalsozialistische Deutschland auf den Wehrbeitrag seiner jüdischen Bürger und zog es vor, diejenigen, die 1939 noch nicht geflüchtet waren, zu ermorden. Mit umso mehr Wagemut kämpften jüdische Soldaten in den alliierten Armeen gegen die Nazibarbarei. Sie kämpften für ihre jeweiligen Heimatländer ebenso wie für das von der Vernichtung bedrohte jüdische Volk. Ihr Beitrag zur Befreiung Europas war größer, als den meisten heute bewusst sein dürfte. Insgesamt standen anderthalb Millionen Juden unter Waffen. Mit fast 550.000 beziehungsweise 500.000 Soldaten stellten Juden in den amerikanischen Streitkräften und in der Roten Armee die größten Kontingente, gefolgt von Polen mit 122.000 und Großbritannien mit 62.000 jüdischen Militärangehörigen. Selbst aus dem fernen Südafrika kamen 10.000 Juden, um im Rahmen der Commonwealth-Truppen zu kämpfen. Die damals kleine jüdische Bevölkerung des britischen Mandatsgebiets Palästina entsandte 40.000 Soldaten in den Krieg. Mehrere zehtausend Juden nahmen als Partisanen die Waffe in die Hand. Eine Viertelmillion jüdische Soldaten, achtzig Prozent von ihnen Angehörige der Roten Armee, fielen im Kampf.

Und ich möchte ganz bewusst sagen: Letztendlich trugen die jüdischen Kämpfer des Zweiten Weltkrieges auch zur Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus bei. Symbolisch genug: Die Panzerbrigade der Roten Armee, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa als erste das Reichtagsgebäude erreichte, wurde von dem jüdischen Oberst, Jewsej Weinrub, befehligt. Heute leben jüdische Kriegsveteranen der Roten Armee in Deutschland. Sie kamen im Rahmen der jüdischen Zuwanderung der beiden letzten Jahrzehnte in die Bundesrepublik. Sie vertrauen dem heutigen, demokratischen Deutschland und haben es zu ihrer Wahlheimat gemacht: In der Tat eine Aussöhnung über Gräber hinweg.

Gleichzeitig aber darf das Friedensideal des Volkstrauertages nicht nivellierend wirken. Die schrecklichen Konsequenzen von Krieg und Gewalt dürfen uns nicht den Blick auf deren Ursachen verstellen. Sonst geht uns die Fähigkeit abhanden, uns dem Bösen, das immer wieder und an immer neuen Orten aufflammt, in den Weg zu stellen. Dann aber steigt die Zahl der Toten, deren wir heute und zukünftig zu gedenken haben, von Jahr zu Jahr. Gewiss, heute ereignen sich die meisten Gräueltaten jenseits der Grenzen des Okzidents, doch dürfen wir den Verlust von Menschenleben nicht nach dem Prinzip „aus den Augen, aus dem Sinn" gleichgültig in Kauf nehmen. Wir alle, das ist der grundlegende Gleichheitsgrundsatz der hebräischen Bibel, wurden in Gottes Ebenbild erschaffen. Der durch grausame Verfolger verursachte Tod von Menschen in Ruanda oder in Darfur wiegt, verzeihen Sie, wenn ich etwas Selbstverständliches sage, nicht weniger schwer als der gleiche Mord im Herzen Europas. Auch dann nicht, wenn unsere Medien ihm nicht mehr als einige Routinemeldungen widmen. Wir alle – nicht nur Reporter und Redakteure, sondern auch Entscheidungsträger und Multiplikatoren - bleiben aufgefordert, die hier bestehenden Wahrnehmungsdefizite zu beseitigen, den Realitäten ins Auge zu sehen und uns nicht nur zu empören sondern etwas konkretes beizutragen, um das Leid zu lindern oder zu beseitigen.

Freiheit und Demokratie und damit die besten Garanten der Menschenrechte müssen verteidigt werden. Wenn es sein muss, auch mit der Waffe in der Hand und das gilt nicht nur für Mitteleuropa sondern auch am Hindukusch oder am Horn von Afrika. Denn auch das ist eine Botschaft, die wir an diesem Gedenktag verinnerlichen müssen: Die Trauer um die Toten darf nicht zur Kapitulation vor dem Bösen führen. Beschwichtigung ist die falsche Antwort auf fanatische Regime, hasserfüllte Diktatoren oder gewalttätige Gruppen, die unter dem Tarnmäntelchen von angeblichen Befreiungsbewegungen oder unter Berufung auf religiöse Werte, andere Völker und Religionsgruppen unterjochen wollen, die Grundfesten der freien Welt erschüttern oder gar offen mit Genozid drohen.

Die Bundesrepublik Deutschland trägt zunehmend mit militärischen Mitteln, als ultima Ratio, zur internationalen Sicherung der Freiheit und der Menschenrechte bei. Dabei begeben sich deutsche Soldatinnen und Soldaten, aber auch Polizisten und zivile Entwicklungshelfer immer öfter auch in Lebensgefahr und viele, zu viele haben bereits mit ihrem Leben bezahlt. Dies anzuerkennen, bewusst wahrzunehmen und auch beim Namen zu nennen ist die Verpflichtung nicht nur der Politik, aber auch unserer ganzen Gesellschaft. Der Kampf gegen Terrorismus sowie friedensstiftende und friedenssichernde Einsätze sind keine „Abenteuerurlaube" oder „Sandkastenspiele" sondern Kampfeinsätze, wo es um die Sicherung der legitimen internationalen Interessen und die Glaubwürdigkeit der Bundesrepublik Deutschland geht. Dies erfordert nicht nur den Respekt und die Anerkennung, sondern auch die beste materielle und personelle Ausstattung für unsere Streitkräfte.(Verzeihen Sie mir, wenn ich an dieser Stelle etwas in die Tagespolitik abdrifte) Und noch mehr, unsere Bundeswehr hat auch einen Anspruch auf faire juristische Beurteilung von möglichem Fehlverhalten bei Einsätzen im Ausland. Dazu bedarf es keiner speziellen Militärgerichtsbarkeit, die nur leidvolle historische Erinnerungen hervorruft, obwohl das Grundgesetz die Einrichtung von Wehrstrafgerichtshöfen ermöglicht, sondern Staatsanwaltschaften und Fachsenate, die mit kompetentem Fachpersonal ausgestattet sind und ein faires rechtsstaatliches Verfahren gewährleisten können.

Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sehen sich in diesen Zeiten unterschiedlichsten Vorwürfen und zum Teil sogar gesellschaftlicher Verachtung ausgesetzt. Für die einen ist es eine schwache und damit überflüssige Armee. Für die anderen marschiert die Wehrmacht bereits wieder auf.

Um es klarzustellen, die Bundeswehr hat mit der Wehrmacht soviel gemein, wie die Bundesrepublik Deutschland mit dem Dritten Reich, nämlich gar nichts. Die Bundeswehr ist auch nicht schwach und schon gar nicht überflüssig. Die Soldatinnen und Soldaten leisten – G'tt sei Dank – keinen „blinden Gehorsam" sondern sind Bürger in Uniform und leben das Prinzip der Inneren Führung auf allen Ebenen. Dieser Zustand, ist aber kein Geschenk, sondern das Ergebnis harter Bildungsarbeit, innerer Überzeugung und eines demokratischen Grundkonsenses. Wir sollten stolz darauf sein und dürfen all das nicht leichtfertig zerreden und damit aufs Spiel setzen.

Insgesamt sind bis heute bei Auslandseinsätzen 82 Bundeswehrangehörige gestorben, allein 35 von ihnen in Afghanistan. Am heutigen Tage gedenken wir auch ihrer in Dankbarkeit und Respekt.

Wir müssen Opfern von Hass und Gewalt beistehen und uns selbst schützen. Und auch dabei hat jüdische Ethik eine wichtige Botschaft für uns: Selbstverteidigung ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht. So brauchen wir doppelten Mut: Den Mut, in der unvollkommenen Welt, in der wir leben, Realisten zu sein, und den Mut, auch in einer unvollkommenen Welt davon zu träumen, dass die Friedensvision der jüdischen Propheten eines Tages Wirklichkeit wird.

Lassen Sie mich Bertold Brecht zitieren: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt". Wir erinnern heute an Krieg und Gewalt und Gedenken der Toten. Wir verneigen uns in Trauer vor ihnen.