9. Jahrgang Nr. 10 / 23. Oktober 2009 – 5. Cheschvan 5770

Ausgezeichnet

Israel bekommt neunten Nobelpreis

Nach der diesjährigen Nobelpreisrunde durften sich die Israelis freuen. Ihre Landsmännin, die Strukturbiologin Ada Yonath vom Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rechowot, wurde im Oktober mit dem Nobelpreis für Chemie auszeichnet. Die Ehrung teilte sich Yonath mit den amerikanischen Wissenschaftlern Venkatraman Ramakrishnan und Thomas Steitz. Allen drei wurde der Preis für Studien zur Struktur und Funktion von Ribosomen zuerkannt, biologischen Komplexen, in denen genetische Information in die Bildung von Proteinen übersetzt wird. Die Ergebnisse ihrer Forschung tragen wesentlich zur Entwicklung neuer Antibiotika bei.
Yonath kann auf eine Bilderbuchkarriere zurückblicken, die sie von einer armutsgeprägten Kindheit in Jerusalem in die höchsten Sphären der Wissenschaft geführt hat. In Fachkreisen galt sie seit langem als potentielle Empfängerin des Nobelpreises, der breiten Öffentlichkeit war sie aber unbekannt. Es gab aber auch eine israelische Enttäuschung: Der Schriftsteller Amos Oz, der seit Jahren als aussichtsreicher, wenn nicht gar führender Kandidat für den Nobelpreis für Literatur gilt, ging auch diesmal leer aus: Die Auszeichnung ging an die Deutsche Herta Müller.
Mit Yonaths Auszeichnung stieg die Zahl der israelischen Nobelpreisträger auf neun, wobei die Weizmann-Professorin die erste israelische Frau ist, der die Ehrung zuteil wurde. Der erste Nobel-Laureat des jüdischen Staates war der Schriftsteller Schmuel Josef Agnon, der sich den Literaturnobelpreis im Jahre 1966 mit der ebenfalls jüdischen, deutschsprachigen Lyrikerin Nelly Sachs teilte. Ihm folgten drei Politiker, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden: Menachem Begin, der die Auszeichnung 1978 gemeinsam dem ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat erhielt, sowie Jitzchak Rabin und Schimon Peres, die 1994 zusammen mit dem PLO-Vorsitzenden Jassir Arafat geehrt wurden. Zwischen 2002 und 2005 folgten vier Wissenschaftler: Die Ökonomen Daniel Kahneman und Robert Aumann sowie die Chemiker Aaron Ciechanover und Avram Hershko.
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