29.04.2004

Dinner zu Ehren S. E., des Präsidenten des Staates Israel, Herrn Moshe Katzav im Hotel ADLON Berlin

Schlussbemerkungen der Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Frau Charlotte Knobloch

Kvod HaRabbanim,
Eure Exzellenz,
Herr Präsident Katzav,
Sehr verehrter Herr Bundespräsident,
Sehr verehrter Herr Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Liebe Freunde,

wir danken Ihnen, Herr Präsident Katzav für die Ehre, Sie hier in Berlin, aus Anlass dieser besonderen Gelegenheit, der Konferenz zum Thema Antisemitismus, die organisiert und unter der Schirmherrschaft von Außenminister Joschka Fischer durchgeführt wurde, begrüßen zu dürfen. Aufgrund seines tiefen Verständnisses von deutsch-jüdischen und israelischen Angelegenheiten hat Außenminister Fischer die diesjährige OSZE Konferenz ins Leben gerufen und sie erfolgreich einem beunruhigenden Thema gewidmet: dem neuen Antisemitismus in Europa. Dieser neue Antisemitismus stellt eine ernsthafte Bedrohung dar, nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen europäischen Gesellschaften.

Ich erinnere mich noch gut daran, als Ihr Vorgänger Ezer Weizmann Deutschland besuchte. Obwohl Ezer Weizmann einen tiefen und positiven Eindruck auf die Menschen hinterließ, die die Ehre hatten, ihn zu treffen, unterschied sich Herr Weizmanns Einstellung gegenüber jüdischem Leben in Deutschland von Ihrer Haltung, Herr Präsident Katzav, in vieler Hinsicht.

Der Grund für diese Veränderung zwischen diesen beiden Besuchen in Deutschland liegt nicht nur an der atemberaubenden Entwicklung jüdischen Lebens in Deutschland - bitte beachten Sie, dass jüdische Gemeinden in Deutschland sehr stark wachsen und sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt haben -.

Der weitere Grund ist die wachsende Akzeptanz jüdischen Lebens in Deutschland, nicht nur auf internationaler Ebene sonder auch was die öffentliche Meinung in Israel betrifft. Jüdisches Leben in Deutschland ist eine Option, die langsam ihr negatives Image verliert.

Es ist möglich als Jude hier zu leben. Es gibt keinen Anlass dieses Land zu verlassen, das immer noch sehr oft als Land der Mörder bezeichnet wird. Es besteht kein Zweifel, dass die Exekutive und Legislative fest in einem demokratischen System verankert sind. Die überaus positiven Wortbeiträge von Frau Dr. Angela Merkel, Herrn Franz Müntefering und Herrn Reinhard Bütikofer haben es uns bestätigt. Herr Bundespräsident Rau ist nicht nur ein Freund Israels, sondern er genießt in ihrem Land eine außergewöhnliche Achtung, der zusammen mit ihrem Volk sich nichts sehnlicher wünscht, als Frieden für alle Menschen in diesem Gebiet.

Trotzdem haben wir hier in Deutschland an einem schweren Erbe zu tragen. Es ist das Erbe des Antisemitismus, das in den letzten Jahren unter einem neuen Gesicht hier in Deutschland wieder aufgetaucht ist, in einem Land, wo der Flamme des Genozids am jüdischen Volk Europas entfacht wurde – übrigens nicht weit von hier, an einem Ort mit Namen Wannsee-Villa.

Ihre Anwesenheit, verehrter Präsident Katzav, hat große und positive Auswirkungen auf die jüdische Öffentlichkeit in Deutschland. Zwei Tage nachdem Israelis und Juden auf der ganzen Welt den 56ten Unabhängigkeitstag des Staates Israel gefeiert haben, kämpft Israel weiter, um seine Bevölkerung zu schützen.

Aber ich verspreche Ihnen, verehrter Präsident, Israel ist in seinem Kampf nicht allein. Wir, die Leiter der jüdischen Gemeinden in Deutschland und ich wage zu sagen, die jüdische Bevölkerung Deutschlands, stehen an Israels Seite.

Trotz aller Konflikte und Kämpfe, denen Israel heute ausgesetzt ist, Kämpfe, die unschuldige Menschen in Ihrem Land bedrohen, trotz allem haben Sie den Mut, eine positive Haltung gegenüber jüdischem Leben in Deutschland einzunehmen.

Jüdische Menschen, die sich für ein Leben in Deutschland entschließen, werden nicht länger als seltsame Außenseiter betrachtet. Der Anstieg des Antisemitismus in Europa stellt ein schwerwiegendes Problem dar und es müssen Strategien entwickelt werden – Strategien, die auch während dieser Konferenz diskutiert wurden – um diese gefährliche Entwicklung zu stoppen.

Aber wenn wir gegen Antisemitismus in Europa kämpfen, sollten wir nie die Herausforderung vergessen, der das israelische Volk täglich gegenüber steht.

Israel kämpft um sein Existenzrecht.

Trotz aller täglicher Grausamkeiten, zeigen Sie einen bewundernswerten persönlichen Mut, verehrter Herr Katzav, um öffentlich eine kritische und gut gebildete Haltung gegenüber dem Staat Israel zu ermutigen; eine Haltung, die nichts mit den Schwarz-Weiß Szenarien zu tun hat, die wir so oft erleben, wenn sich die Diskussion um israelische Angelegenheiten dreht.

Sie haben diesen Punkt sehr deutlich gemacht – freie Diskussionen und sogar Kritik an der israelischen Politik darf nicht verboten werden.

Die Konferenz hat bewiesen, dass unsere Diskussionen einen hohen Grad erreicht haben, einen Grad der Ausarbeitung, der weit entfernt ist von vereinfachten und einseitigen Lösungen.

Im Namen aller ehrenwerter Politiker und Persönlichkeiten, der Nichtregierungs-Organisationen und allen anderen Vertretern, im Namen des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Vorstände der jüdischen Gemeinden, danken wir Ihnen sehr, dass Sie uns die Ehre Ihres Besuches angedeihen ließen.

Wir hoffen, dass Sie einige persönliche Eindrücke vom Leben in diesem Land mitnehmen und würden uns sehr freuen, Sie in naher Zukunft wiederzusehen – als guten Freund Deutschlands und der jüdischen Menschen in diesem Land.

So wünsche ich Ihnen „Lehitraot“ im wahren Sinne des Wortes und hoffe sehr, sie wiederzusehen und hoffe, dass Sie uns bald wieder besuchen kommen, als Freund der Menschen in diesem Land.

Vielen Dank