9. Jahrgang Nr. 10 / 23. Oktober 2009 – 5. Cheschvan 5770

Helden unserer Zeit

In Israel entsteht das „Museum des jüdischen Kämpfers im Zweiten Weltkrieg“

Wer den Brigadegeneral der Reserve Zvi Kan-Tor sucht, kommt sich einen Augenblick lang wie in einem Spionage-Thriller vor. An dem unauffälligen Supermarkt Ecke Mendesstraße und Sapirstraße in einem verschlafenen Stadtteil Ramat-Gans führt eine steinerne Treppe ins Kellergeschoss. Neben einer Wäscherei und einem kleinen Frisiersalon geht es links bis zum Ende des Korridors. Von bescheidenen Büroräumen aus leitet Zvika, wie er allgemein genannt wird, ein Projekt besonderer Art. Dabei handelt es sich allerdings um keine geheime Mission. Ganz im Gegenteil: Als Geschäftsführer des „Vereins zur Errichtung des Museums des jüdischen Kämpfers im Zweiten Weltkrieg" will Kan-Tor eines der wichtigsten Kapitel der jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts der israelischen und jüdischen wie auch der internationalen Öffentlichkeit näher bringen: den Beitrag jüdischer Soldaten zum Kampf gegen das „Dritte Reich" in den Jahren 1939 bis 1945.
Eine jüdische Armee gab es in jener Zeit nicht, doch kämpften Juden in den Reihen alliierter Streitkräfte an allen Fronten des Zweiten Weltkrieges. „Insgesamt", so Kan-Tor „standen anderthalb Millionen Juden unter Waffen. Kein anderes stellte Volk einen so hohen Prozentsatz an Soldaten." Mit 550.000 beziehungsweise 500.000 Soldaten führten Juden in den amerikanischen Streitkräften und in der Roten Armee das Feld an, gefolgt von Polen mit 122.000 und Großbritannien mit 62.000 jüdischen Militärangehörigen. Selbst aus dem fernen Südafrika kamen 10.000 Juden, um im Rahmen der Commonwealth-Truppen zu kämpfen. Die damals kleine jüdische Bevölkerung des britischen Mandatsgebiets Palästina entsandte 40.000 Soldaten in den Kampf gegen die Hitlerbarbarei. Mehrere Zehtausend nahmen als Partisanen die Waffe in die Hand. Eine Viertelmillion jüdische Soldaten, achtzig Prozent von ihnen Angehörige der Roten Armee, fielen im Kampf.
Dennoch wurde die Rolle jüdischer Kämpfer in der Nachkriegszeit nicht genügend beachtet. In der Sowjetunion waren jüdische Themen, erst recht jüdische Helden, verpönt. In Israel wiederum, so Kan-Tor, „war viel von jüdischem Heldentum die Rede, doch blieb das Thema im Wesentlichen auf die Partisanen und Ghettokämpfer sowie auf die in Israel aufgestellte jüdische Brigade der britischen Armee beschränkt. Von jüdischen Soldaten anderer Armeen war keine Rede". Auch der Kan-Tor, Sabra in dritter Generation, der in der israelischen Panzertruppe gedient hatte und zum Stabschef des Wehrbezirks Mitte aufgestiegen war, stieß auf das Thema erst vor acht Jahren - per Zufall. „Am Rande einer Gedenkfeier für gefallene Panzersoldaten erzählte mir jemand, dass die Brigade der Roten Armee, deren Panzer als erste den Berliner Reichstag erreichten, von einem Juden namens Jewsej Weinrub befehligt wurde und dass Weinrub - es war April 2001 – nun in Israel lebte. Das gab Kan-Tor den Anstoß, sich dem Thema zu widmen. Einige Monate später gründete eine Gruppe von israelischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, unter ihnen Kan-Tor, den Museumsverein, den „Zvika" heute leitet. Eine Aufgabe, die durch Bürokratie, Geldmangel und baurechtliche Probleme immer wieder verzögert wurde.
Jetzt aber ist es soweit: Auch wenn der bestehende Etat noch durch Spenden aufgestockt werden muss, fahren die Planierraupen wahrscheinlich noch in diesem Jahr auf. 2011 soll das auf dem Gelände der Panzertruppen-Gedenkstätte in Latrun geplante Museum seine Tore öffnen. Sieben Abteilungen werden den Besucher über allgemeine Fragen, über die ersten Kampfjahre, die Sowjetunion und Osteuropa, die USA, Partisanen und Ghettokämpfer, Freiwillige aus Israel und über den Beitrag der Veteranen zum Sieg im israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948/49 informieren. Die Materialsammlung ist bereits angelaufen. Nicht zuletzt interviewen ehrenamtliche Mitarbeiter ehemalige Soldaten, die heute in Israel leben. „Es wäre wichtig", so Kan-Tor in einem Gespräch mit der „Zukunft", „wenn wir auch in Deutschland mit Hilfe dortiger Juden Interviews mit jüdischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges führen könnten, die heute in den Bundesrepublik leben."

Kontaktanschrift:

Museum of the Jewish Soldier in World War II,
Yossef Sapir St. 9, Ramat-Gan 52 622, Israel,
Tel.: 00972-3-635 07 67
Fax: : 00972-3-736 00 27;
E-Mail: veteran@jwmww2.com.,
Internet: www.jwmww2.org
An die obige Adresse ist auch Foto- und Schriftmaterial einzusenden.

wst