9. Jahrgang Nr. 10 / 23. Oktober 2009 – 5. Cheschvan 5770

Iran: Die Bombe tickt

Der Iran ist einem atomaren Arsenal bereits viel näher gekommen, als der internationalen Öffentlichkeit bisher bekannt war. Ob Diplomatie das Kernwaffenprogramm der Teheraner Führung stoppen kann, ist bestenfalls offen. Dieses Bild ergibt sich aus den jüngsten Entwicklungen im Iran wie auf der internationalen Bühne.
Bei den Ende September in Genf geführten Gesprächen zwischen dem Iran und den ständigen Mitgliedern des Weltsicherheitsrates sowie Deutschland stimmten die iranischen Unterhändler zwar der Anreicherung seiner Uranvorräte durch Russland zu, doch könnte das dabei von drei bis vier Prozent auf knapp 20 Prozent angereicherte Uran theoretisch wieder dem Atomwaffenbau zugeführt werden. Auch die jüngst publik gemachte Entdeckung einer geheimen Anreicherungsanlage unweit der Stadt Qom deutet auf ein Atomwaffenprogramm hin. Nach Meinung des Tel-Aviver Instituts für Studien zur Nationalen Sicherheit könnte die Anlage spaltbares Material für eine bis vier Kernwaffen pro Jahr herstellen.
Gleichzeitig berichtete die New York Times, nach bisher zurückgehaltener Einschätzung der internationalen Atomenergieorganisation IAEO verfüge der Iran entgegen der bisher vorherrschenden Meinung inzwischen über das gesamte für den Bau eines Atomwaffensystems erforderliche Know how. Unter diesen Umständen wird bezweifelt, dass der Iran sich neuen Sanktionen beugen wird, selbst falls diese verhängt werden sollten. Umso dringender stellt sich die Frage, ob Israel sich genötigt sehen könnte, den Iranern durch einen Militärschlag in den Arm zu fallen. In Israel gilt ein atomarer gerüsteter Iran als eine potenziell existenzielle Bedrohung. Indessen ist nach Meinung vieler Experten nicht sicher, dass ein israelischer Militärschlag den gewünschten Erfolg bringen würde.
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