9. Jahrgang Nr. 8 / 28. August 2009 - 8. Elul 5769

Zentralrat verstärkt Zusammenarbeit mit Israel

Beim Besuch von Generalsekretär Stephan Kramer standen gemeinsame Projekte im Vordergrund

Zukunft 9. Jahrgang Nr. 8
Zukunft 9. Jahrgang Nr. 8

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und Israel streben engere Zusammenarbeit an. Bereits in den kommenden Wochen soll eine Reihe von Kooperationsprogrammen zwischen jüdischen Gemeinden und Einrichtungen in der Bundesrepublik auf der einen und israelischen Partnern auf der anderen Seite geprüft werden. Das erklärte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan J. Kramer, nach seinem Israel-Besuch. Vorrangige Ziele der anvisierten Projekte sind eine Stärkung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und weitere Vertiefung der Beziehungen zwischen der drittgrößten jüdischen Bevölkerungsgruppe Europas und Israel.
Bei einem Arbeitsbesuch in Israel traf Kraner mit hochrangigen Gesprächspartnern zusammen. Bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden der Exekutive der Jewish Agency, Natan Sharansky brachte dieser den Wunsch der „Sochnut“ nach enger Kooperation mit dem Zentralrat zum Ausdruck. Sharansky und Kramer waren sich in der Zielsetzung einig, durch gemeinsame Projekte beider Organisationen zur Stärkung des jüdischen Lebens in Deutschland beizutragen. Der Jewish Agency sei bewusst, so Sharansky, dass sich die zu neunzig Prozent aus Neuzuwanderern bestehende jüdische Gemeinschaft in Deutschland besonderen Herausforderungen gegenübersieht. Es wurde vereinbart, dass der Zentralrat und die Jewish Agency konkrete Vorschläge für Kooperationsprojekte ausarbeiten werden.
Bei einem Treffen Kramers mit der Vorsitzenden des Knessetausschusses für Einwanderung, Eingliederung und Diasporaangelegenheiten, MdK Lia Schemtow, wurde besondere Betonung auf Fragen der Integration von Einwanderern aus der ehemaligen UdSSR gelegt. Hierbei erklärte Kramer, die Integrationsarbeit der jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik sei überaus erfolgreich, doch verfügten die Gemeinden naturgemäß nicht über die gleichen Ressourcen wie der Staat Israel. Daher könne die in Deutschland geleistete Integrationsarbeit von der israelischen Erfahrung profitieren. Auch direkte Kontakte zu Israel seien für die Stärkung jüdischer Identität von großem Nutzen. In diesem Zusammenhang regte MdK Schemtow die Schaffung von auf die Interessen der in Deutschland lebenden Juden ausgerichteten Israel-Reisen an. Der bei dem Treffen anwesende Vertreter des israelischen Tourismusministeriums sagte die Unterstützung seines Ressorts bei der Ausarbeitung einschlägiger Besuchsprogramme zu.
Kooperation war das zentrale Thema bei Kramers Gespräch mit Naomi Ben-Ami, Direktorin der für Kontakte zu in der ehemaligen UdSSR lebenden beziehungsweise von dort stammenden Juden zuständigen Regierungsdienststelle Nativ. Nachdem der erste Anlauf von Nativ, in Deutschland tätig zu werden, vor zwei Jahren wegen ungenügender Koordinierung keine nennenswerten Ergebnisse gebracht hat, ist die Organisation heute auf enge Zusammenarbeit mit dem Zentralrat eingestellt. Wie Kramer und Ben-Ami betonten, bestehen zwischen den beiden Organisationen gemeinsame Interessen. „Wenn wir es schaffen, das jüdische Bewusstsein und das jüdische Wissen der Zuwanderer zu stärken, ist das das Allerwichtigste. Wo diese Menschen und ihre Kinder eines Tages leben werden, bleibt ihrer persönlichen Entscheidung überlassen“, betonte der Generalsekretär des Zentralrats. Kramer und Ben-Ami vereinbarten, der Jugendarbeit und dem Engagement jüngerer Zuwanderer im jüdischen Gemeindeleben besondere Priorität einzuräumen.
Kramer besuchte auch Sderot und informierte sich über die Lage der von palästinensischen Raketen geplagten Stadt. Nach Auskunft der Auslandsbeauftragten des Bürgermeisters ist die seit der Operation „Gussblei“ an der Gasa-Front herrschende Ruhe nur relativ. Noch immer schlage durchschnittlich eine Rakete pro Woche in Sderot ein. Sieben von zehn Stadtbewohnern leiden unter einem posttraumatischen Syndrom. Um wenigstens Kindern eine Erleichterung zu bieten, hat Sderot mit Hilfe von Spenden einen für 500 Gäste angelegten „Hallen-Kinderspielplatz“ gebaut. Dort können sich die Kleinen austoben, ohne ständig an die Raketengefahr zu denken. Im Alarmfall stehen – anders als im Freien – hauseigene Luftschutzräume bereit. In diesen werden auch Kindergeburtstage gefeiert. „Der Hallen-Spielplatz ist sicherlich eine gute Einrichtung“, kommentierte Kramer. “Es ist aber traurig, dass so etwas nötig ist.“
Der Gast aus Berlin besuchte auch das israelisch-arabische Dorf Abu Gosch, das als ein Musterbeispiel gutnachbarlichen Zusammenlebens mit seinen jüdischen Nachbargemeinden gilt. Mit dem Bürgermeister von Abu Gosch, Salim Jaber, besprach Kramer Fragen der Koexistenz verschiedener Bevölkerungsgruppen und interreligiöser Verständigung.
zr