5. Jahrgang Nr. 3 / 24. März 2005 - 13. Adar II 5765

Annäherung zwischen Spiegel und Lehmann

Gemeinsame Erklärung nach Kritik an neuem Papst-Buch

Zentralrats-Präsident Paul Spiegel und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, waren Ende Februar zu einem vertrauensvollen Gespräch in Mainz zusammengekommen. Hintergrund für das Zusammentreffen waren die Äußerungen von Papst Johannes Paul II, der in seinem neuen Buch die Opfer des Nazi-Regimes mit dem Vernichten von ungeborenem Leben durch Abtreibungen vergleicht. Beide Vertreter waren sich einig, dass die Singularität der Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Terrorregime nicht relativiert werden dürfe. Zudem bedarf es nach einer gemeinsam verfassten Erklärung «stets einer besonders sensiblen Sprache», wenn der Holocaust im politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Reden aufgegriffen oder berührt werde.

In seinem Buch «Erinnerung und Identität - Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden» schreibt der Papst, zwar habe die Vernichtung der Juden nach dem Sturz des Nazi-Regimes aufgehört. «Was jedoch fortdauert, ist die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener menschlicher Wesen.» Dazu sagte Spiegel, dass es «einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen einem fabrikmäßigen Völkermord und dem, was Frauen mit ihrem Körper tun». Mehr noch äußerte er seine Bedenken, dass die Spitze der Katholischen Kirche nicht begriffen habe, dass man den Holocaust nicht mit Abtreibung vergleichen könne.

Bereits im Januar hatte der Zentralrats-Präsident den Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, kritisiert. Dieser hatte mit einem ähnlichen Vergleich in Deutschland heftige Proteste ausgelöst. In einer Predigt am Dreikönigstag hatte er gesagt: «Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.» Spiegel hatte Meisner daraufhin vorgeworfen, mit einem solchen Vergleich Millionen von Holocaust-Opfern zu beleidigen. dpa/zu