9. Jahrgang Nr. 6 / 26. Juni 2009 - 4. Tammus 5769

Freundschafts-Spiele

Normalerweise würde die Jugendmannschaft eines israelischen Fußball-Drittligisten in Deutschland auf kein allzu großes Interesse stoßen. Anders war es bei dem auf Einladung des Zentralrats der Juden in Deutschland erfolgten Berlin-Besuch des Fußballvereins Hapoel Abu Gosch / Mevasseret Zion vom 25. bis 29. Mai. Die Kicker aus dem israelisch-arabischen Dorf Abu Gosch und der benachbarten Kleinstadt Mevasseret Zion, beide bei Jerusalem, kicken nämlich für einen einzigartigen Klub, der sich der Förderung jüdisch-arabischer Koexistenz durch gemeinsamen Sport verschrieben hat. Die Führungsgremien sind paritätisch von Juden und Arabern besetzt. Mit der Einladung würdigte der Zentralrat der Juden das Engagement des Vereins für die Koexistenz jüdischer und arabischer Israelis. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Ihren Klub in der Bundesrepublik vorzustellen“, erklärte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan J. Kramer. „Mag sein“, fügte Kramer hinzu, „dass das kleine Israel der Fußballweltmacht Deutschland in Sachen Torschießen nicht allzu viel beizubringen vermag, doch geben Sie als arabische und jüdische Israelis Anschauungsunterricht für die segnungsreiche Wirkung, die Fußball auch in einem komplexen, ja komplizierten gesellschaftlichen Umfeld entwickeln kann.“
Sportlicher Höhepunkt des Besuchs war ein Freundschaftsspiel gegen junge Spieler des TuS Makkabi Berlin. Dieses gewannen die Israelis mit 6:3. Am Ende jedoch zählten die neu geknüpften Freundschaften zwischen den Teams mehr als die Tore. Auch in den Medien fand der Besuch ein über seine sportliche Bedeutung weit hinaus gehendes Echo. Am letzten Tag ihres Besuchs wurden die Teenager aus Israel im Reichtagsgebäude vom Bundesvorsitzenden der Jungen Union, MdB Philipp Missfelder (Foto), empfangen. Dort ging es nicht nur um Politik, sondern auch um das runde Leder – erst recht, nachdem der prominente Volksvertreter sich als bekennendes Mitglied von Schalke 04 geoutet und die Hoffnung auf die deutsche Meisterschaft seines Vereins geäußert hatte. „Das schafft Ihr nicht“, ließ sich, vom hohen Rang des Gesprächspartners völlig unbeeindruckt, einer der Gäste aus Abu Gosch vernehmen. Dennoch trennte man sich in Freundschaft, allerdings erst nachdem der sich der Abgeordnete – er ist zugleich Berichterstatter für Israel im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages – mit dem Team fürs Erinnerungsphoto ablichten ließ.
wst