9. Jahrgang Nr. 5 / 22. Mai 2009 - 28. Ijar 5769

Jubiläum: Fünfzehn Jahre „Stiftung Zurückgeben“

Seit 1994 fördert die Stiftung in Berlin jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen

Am Anfang stand eine Erbschaft: Hilde Schramm erbte nach dem Tod ihrer Mutter die Bilder, die ihr Vater, NS-Rüstungsschef und Architekt Albert Speer, zwischen 1933 und 1943 auf dem Kunstmarkt erworben hatte. Zunächst machte sich Hilde Schramm auf die Suche nach den ehemaligen Besitzern der Bilder. Leider ohne Erfolg. Die Erziehungswissenschaftlerin und frühere Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses war zutiefst davon überzeugt, dass durch die Überschwemmung des Kunstmarktes mit Kunst aus jüdischem Besitz die Bilder unter ihrem wahren Wert erworben worden waren. Daher war Hilde Schramm das Erben dieser Bilder zuwider. So entstand gemeinsam mit anderen Frauen 1994 die Idee, die Bilder zu verkaufen und mit dem Erlös eine Stiftung zu gründen, die jüdische Frauen im heutigen Deutschland fördert. Das war genau vor 15 Jahren.
Der Name dieser Stiftung „ZURÜCKGEBEN" verweist darauf, dass viele Deutsche von der Entrechtung, Beraubung, Vertreibung und Ermordung der Juden in Europa profitiert haben und die Stiftung zumindest symbolisch Wiedergutmachung zu leisten versucht. Dabei geht es nicht nur um die materiellen Verluste durch Raub, Enteignung und Zwangsverkäufe. Vielmehr geht es – so Monika Richarz, Beirätin der Stiftung und Professorin für jüdische Geschichte – „um den Verlust der geistigen Existenz". „Juden wurden alle kreativen Entfaltungsmöglichkeiten genommen". „Objekte können zurückgegeben werden, kultureller Kontext bleibt zerstört", so Richarz. Dieser Schaden sei weder zu beziffern noch wieder gut zu machen. Um ihn zu mindern, unterstützt die Stiftung die kulturelle Entfaltung jüdischer Frauen in Deutschland.
Die Stiftungsfrauen berichten, wie irritierend für viele der Name der Stiftung ist, denn er weckt Schuldgefühle bei der ersten Generation von Erben, die unmittelbar und mittelbar von der Nazizeit profitiert hat. Vorstandsmitglied Christine Holzkamp berichtet über ihr persönliches Motiv für die Stiftung zu arbeiten. Es sei nicht die „Pflicht", sondern die Chance, etwas zu tun, etwas wieder gut zu machen.
Nach 15 Jahren unermüdlichen Engagements zieht Hilde Schramm eine erste Bilanz: „Die Stiftung will etwas Unmögliches und zugleich etwas Selbstverständliches". Sie spricht über die Naivität der Initiatorinnen, die zunächst meinten, ihre Idee würde von allen sofort und gerne mitgetragen. Das Durchsetzen der Idee „Zurückgeben" im deutschen öffentlichen Raum ist mühsam. Man bekam zwar öffentlich Applaus, aber „Förderer rennen uns nicht gerade die Türen ein". Immerhin hat die Stiftung in den 15 Jahren ihres Bestehens über 70 Buchautorinnen, Filmemacherinnen, bildende Künstlerinnen, Musikerinnen und Sozialwissenschaftlerinnen gefördert.
il
Weitere Informationen unter www.stiftung-zurueckgeben.de