9. Jahrgang Nr. 5 / 22. Mai 2009 - 28. Ijar 5769

Der Papst in Israel

Der Papst war im Heiligen Land. Schon im Vorfeld waren die Erwartungen an diesen Besuch sehr hoch, vor allem an seinen Auftritt und an seine Rede in der Gedenkstätte Yad Vashem. Zentrales Thema der Papst-Rede war das Erinnern und Vergessen (Foto). Doch die anschließenden Reaktionen fielen eher kritisch aus, die internationale Presse spiegelt überwiegend Enttäuschung über eine «verpasste Chance» wider. Auch Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat sich tief enttäuscht über den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Israel und über die fehlende Klarstellung Benedikts XVI. gezeigt. Der Papst habe sich weder von den antisemitischen Pius-Brüdern und dem Holocaust-Leugner Richard Williamson noch von der Judenmissionierung distanziert, kritisierte Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch. Beim Besuch der Holocaust-Gedenkstädte Yad Vashem wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, sich dazu zu äußern. Zudem erwarte sie eine generelle Entschuldigung für die Verfolgung der Juden auch durch die katholische Kirche in früheren Jahrhunderten.
Auch der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, zeigte sich enttäuscht von dem Auftreten Benedikts. „Die ganz große Geste, die wir uns doch so sehr wünschten, war diese Rede mit Sicherheit nicht“, sagte er. „Besonders enttäuschend war, dass der Papst weder die unheilvolle Rolle und die Schuld der Kirche in der Nazizeit angesprochen hat, noch als deutscher Papst den Holocaust ansprach noch überhaupt auf die unseligen Irritationen der letzten Zeit einging.“ Auch Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer zeigte sich unzufrieden. «Dass der Papst die Holocaust-Leugnung verurteilt, daran zweifelt niemand», sagte er. Gerade in Yad Vaschem habe man sich aber eine klare Distanzierung von der Piusbruderschaft und der Juden-Missionierung gewünscht. «Papst Johannes Paul II. hatte bei seiner Reise im Jahr 2000 hohe Maßstäbe gesetzt. Die hat Papst Benedikt nicht fortgesetzt.» zu/kna