Schemini Azeret - Simchat Tora

Das Schlußfest - Zweiter Tag des Schlußfestes

Auch am Schlußfest (Schemini Azeret) wird die Laubhütte noch benutzt, jedoch nicht mehr der Feststrauß. Der Gottesdienst zeichnet sich besonders dadurch aus, daß nach der Tora- und Prophetenlesung eine Seelenfeier zum Gedenken der Toten stattfindet und daß der Vorbeter in das Zusatzgebet ein Gebet um Regen, ein längeres poetisches Stück, einschaltet, das in feierlicher Form rezitiert wird. Damit beginnt die Wintersaison, und von nun an wird bis zum Beginn des Pessachfestes in jede Tefilla die Erwähnung eingeschaltet, daß Gott Regen fallen läßt.

Der zweite Tag des Schlußfestes führt einen eigenen Namen: Simchat Tora, Torafreude. An ihm endet der jährliche Zyklus der Toraabschnitte, und es wird wieder von vorn begonnen; an diesem Tag werden also der Schluß und der Anfang des Pentateuch verlesen. Das Ausheben der Tora erfolgt bei dieser Gelegenheit in besonders feierlicher Form: Sämtliche vorhandenen Torarollen werden aus dem Schrank genommen und in einer Prozession siebenmal um die Vorlesebühne bzw. durch den Synagogenraum getragen. In den meisten Berliner Synagogen war es üblich, daß der Zug durch zwei Synagogendiener angeführt wurde, jeder mit einer großen brennenden Kerze in der Hand. Den Trägern der Torarollen pflegen Kinder mit bunten Fähnchen zu folgen. Während oder nach der Zeremonie werden die Kinder mit Süßigkeiten beschenkt. In den leeren Toraschrein wird während der Umzüge häufig eine brennende Kerze gestellt. Die Umzüge finden sowohl nach dem Abendgebet als auch im Morgengottesdienst statt. In manchen Gemeinden wird bereits am Abend ein Teil des Toraabschnittes verlesen, und es werden möglichst viele Personen dazu aufgerufen, indem die einzelnen Stücke mehrmals gelesen werden. Auch Knaben, die das dreizehnte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, pflegt man bei dieser Gelegenheit als Gruppe zur Tora zu rufen. Der Schluß des Pentateuchs, der vom Tod des Moses handelt, und der Beginn des Textes, der das Schöpfungswerk beschreibt, werden auf jeden Fall nur im Morgengottesdienst gelesen. Zu diesen Abschnitten aufgerufen zu werden, gilt als eine ganz besonders hohe Ehrung für den Betreffenden. Der Anfang des Bibeltextes wird übrigens am Sabbat, der dem Torafreudenfest folgt, im Rahmen des üblichen Wochenabschnittes noch einmal gelesen, während der Schlußabschnitt des Pentateuch kein eigentlicher Wochenabschnitt ist und nur zu Simchat Tora vorgetragen wird.