9. Jahrgang Nr. 3 / 27. März 2009 - 2. Nissan 5769

Nachrichten

Diskussion um Papstbesuch an der Klagemauer

Israel werde die religiösen Symbole des Papstes bei seinem Besuch an der Klagemauer im Mai respektieren. Das teilte der israelische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Mordechay Lewy, mit. Im Vorfeld war eine Kontroverse um den Papstbesuch an der Klagemauer entfacht. Die israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“hatte den für das jüdische Heiligtum in Jerusalem zuständigen Rabbiner, Schmuel Rabinowitsch, zitiert, der es als nicht passend empfände, dass der Papst bei seinem Besuch an der Klagemauer ein Kreuz trage. Das Kreuz verletze jüdische Gefühle. Rabinowitsch erklärte auch, dass „jeder“das Recht habe an der Klagemauer zu beten. Auch der Zentralrat der Juden hatte Rabinowitsch scharf kritisiert. Der Rabbiner missbrauche sein religiöses Amt für Intoleranz, sagte Generalsekretär Stephan J. Kramer. Israel sei an dem Papstbesuch sehr interessiert. Sollte die Kontroverse zur Streichung des Papstbesuchs an der Klagemauer führen, „wären Israels außenpolitische Interessen aufs Schwerste tangiert”, so Kramer. Rabinowitsch sei von niemandem „ermächtigt, im Namen des jüdischen Volkes und des jüdischen Staates aufzutreten”. Kramer wundere sich zudem über die Äußerungen Rabinowitsch, der immer wieder beteuert habe, dass die Klagemauer für Angehörige aller Religionen offen sein müsse und der nun sein religiöses Amt für solche Intoleranz missbrauche.
kna/zu

Mutmaßlicher KZ-Aufseher wird ausgeliefert

Das Amtsgericht München hat gegen den als „Iwan den Schrecklichen“berüchtigten früheren KZ-Wächter John Demjanjuk Haftbefehl erlassen. Laut Staatsanwaltschaft ist der 88-Jährige dringend verdächtig, von März bis Ende September 1943 als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor Beihilfe zum Mord an 29 000 Menschen jüdischen Glaubens geleistet zu haben. Demjanjuk war 1988 bereits in Israel wegen anderer Vorwürfe zum Tode verurteilt worden. Dieses Urteil wurde aber wieder aufgehoben, da seine Identität nicht eindeutig geklärt werden konnte. Sobald Demjanjuk in Deutschland sei, werde voraussichtlich Anklage erhoben, so die Staatsanwaltschaft München. Der als Iwan Demjanjuk in der heutigen Ukraine Geborene lebt als Staatenloser in den USA.
dpa