9. Jahrgang Nr. 2 / 27. Februar 2009 - 3. Adar 5769

Die Kunst von Bildern und Sprechblasen

Die Frankfurter Ausstellung „Superman und Golem“ untersucht Comics als Medium jüdischer Erinnerung

Von Ulf Meyer

„Superman“ betrat 1933 die Bühne der Welt. Seine beiden jüdischen Schöpfer, Jerry Siegel aus den USA und Joe Shuster aus Kanada, schufen ihren Superhelden in der Tradition eines Herkules’, der für soziale Gerechtigkeit und gegen Tyrannei kämpft. Die 30er und 40er Jahre waren die Ära der Superhelden in Amerika und da war es nur folgerichtig, dass die populären Fabelwesen auch gegen den Faschismus kämpfen mussten. Shuster und Siegel ließen ihren Helden in einer Episode sogar gegen Hitler antreten: Mit „nicht-arischer Faust“ kämpft Superman gegen die deutsche Wehrmacht, verpasst Hitler und Stalin einen Kinnhaken und übergibt beide dem Gerichtshof des Völkerbundes.

Die Nationalsozialisten konnten diese Comic-Attacke nicht auf sich sitzen lassen und beschimpften daraufhin in der Zeitschrift „Das schwarze Korps“ Siegel als „geistig und körperlich Beschnittenen“. Dies ist nur eine von vielen denkwürdigen Episoden, die das Jüdische Museum Frankfurt im Rahmen seiner Ausstellung „Superman und Golem“ erzählt. Die Schau untersucht und präsentiert die Kunst der bunten Bilder mit Sprechblasen „als Medium jüdischer Erinnerung“. Neben Klassikern wie Robert Crumbs „Fritz the Cat“ oder Harvey Kurtzmans Arbeit für „MAD“, werden auch zeitgenössische Comic-Künstler präsentiert, die sich mit jüdischen Themen beschäftigen, obwohl sie selbst gar nicht jüdischen Glaubens sind. Der Kurator der Schau, Eric Riedel, hat für die Ausstellung Werke von über vierzig Comic-Zeichnern zusammengetragen. Seiner Meinung nach war die „kreative Arbeit in den Comic-Studios auch deshalb für viele jüdische Einwanderer in Amerika attraktiv, weil Comics ein Medium mit niedriger Sprachbarriere sind“. Will Eisner zum Beispiel zeichnet das Leben jüdischer Einwanderer in den Mietskasernen der Bronx. In seiner Geschichte „Der Vertrag mit Gott“ erzählt er vom Schicksal armer osteuropäischer Einwanderer und ihren Konflikten in der Neuen Welt.

Als Art Spiegelmans Comic „Maus - Die Geschichte eines Überlebenden“ 1986 erschien, waren Comic-Strips als Medium längst vom Teenager- zum Erwachsenen-Medium aufgestiegen. Es war eine neue Comic-Gattung entstanden, die sich durchaus ernsthaft und künstlerisch intensiv auch mit politischen und historischen Themen auseinandersetzte und zu dessen Themenbereichen auch die traurigsten Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts, dem Holocaust, gehörten. So hat Spiegelman schlicht Juden als Mäuse und Nazis als Katzen gezeichnet. Diese Mäuse hinter KZ-Zäunen waren damals geradezu eine Provokation: Die Geschichte der Flucht seiner Eltern aus dem KZ wurde zu einer der eindringslichsten Auseinandersetzungen mit dem Holocaust in der Popkultur. Die Frankfurter Ausstellung, die zuvor in den Jüdischen Museen Paris und Amsterdam zu sehen war, zeichnet diese ergreifenden Geschichte nach.

Jüdisches Museum Frankfurt, Untermainkai 14/15, bis 22. März www.juedischesmuseum.de
Tel. (069) 212 350 00, Di-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr