9. Jahrgang Nr. 2 / 27. Februar 2009 - 3. Adar 5769

Aus Petach Tikwa nach Dortmund

Rabbiner Avichai Apel, der über einen Zwischenstopp in der Ukraine zur Jüdischen Kultusgemeinde Dortmund kam, im Portrait

Frederic Spohr

Das Jahr begann für die Familie des Dortmunder Rabbiners Avichai Apel mit einem schweren Verlust - ein Freund der Familie ist im Gazakrieg gefallen. Er diente als Offizier der israelischen Armee. Bilha, Apels Frau, besuchte mit ihm die gleiche Schule. Man stand im regelmäßigen Kontakt.

Seit der Offensive der israelischen Armee im Gaza-Streifen hat sich auch das Leben in Deutschland verändert: „Ich bin jetzt seit vier Jahren in Deutschland und nie gab es Probleme“, sagt der 33-Jährige, der in Jerusalem geboren und in Petach Tikwa aufgewachsen ist. Doch seit dem Konflikt im Januar sei das anders, erzählt Rabbi Apel: „Teilweise habe ich das Gefühl, dass ich von Muslimen in Dortmund jetzt etwas feindselig angeguckt werde.“

Die verächtlichen Blicke treffen den jungen quirligen Mann sehr. Denn es sei offen gezeigte Feindschaft gegen ein Land und eine Religion, als deren Gesandter er sich sieht. Nach seiner Ordination zum Rabbiner hatte Apel seinen ersten längeren Auslandsaufenthalt in Gomel, in der Ukraine. Eigentlich sollte er in der südöstlichen Stadt nur zwei Wochen lang die Feiern zum Pessachfest organisieren. Doch aus den zwei Wochen wurden letztendlich sechs Monate. Schließlich verbrachte er noch zwei Jahre in der Ukraine und übernahm dort unterschiedliche Aufgaben - er merkte, dass er gebraucht wurde. Apel organisierte Jugendcamps und Seminare. „Nach 70 Jahren Sozialismus muss man viel Basisarbeit in Bezug auf das Judentum machen“, sagt Apel.

Nach Deutschland holte ihn schließlich der Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle, Benjamin Bloch. Apels Erfahrungen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sind heute ein großer Vorteil für die Arbeit mit den vielen russisch-stämmigen Juden in der Dortmunder Gemeinde. „Erstens kenne ich die Sprache und zweitens kenne ich die Mentalität“, sagt er. Er wisse wie sich die jüdischen Bräuche in der UdSSR verändert hätten. „Warum sie zum Beispiel manche Feste noch feiern und manche nicht mehr.“ Die Integration der russischstämmigen Juden ist auch eine seiner wichtigsten Aufgaben als Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland.

In seiner Gemeinde gefällt dem jungen Rabbiner vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Ich will unserer Jugend die Chance geben, etwas über das Judentum zu erfahren“, sagt er. Er selbst engagierte sich in seiner Jugend sehr stark in der Bne Akiwa, einer zionistischen Jugendbewegung. „Ich habe mich immer gerne mit der Tora beschäftigt und hatte Spaß an der Arbeit für die Gemeinde“, antwortet er auf die Frage, was ihn an dem Rabbinerberuf ursprünglich so gereizt hat.
Bei den vielen Jugendfesten und Seminaren in seiner Gemeinde mit ihren 3300 Mitgliedern sind auch seine eigenen fünf Kinder meistens mit dabei. Seine Älteste ist acht Jahre alt, sein Jüngster erst ein paar Monate. „Ich bin nicht alleine Rabbiner, sondern mit meiner ganzen Familie“, sagt Apel stolz. Für Apels Kinder gehört die Religion zum Alltag. Auch er selbst wurde sehr religiös erzogen. Seine älteren Kinder gehen jeden Nachmittag nach der Schule noch zum jüdischen Religionsunterricht. Dort lernen sie hebräisch und befassen sich mit der Tora. Trotzdem will der dynamische Vater keinen Druck auf sie ausüben und sie nicht zur Religiosität zwingen: „Das ist ein Teil unseres Judentums. Jeder entscheidet für sich.“