9. Jahrgang Nr. 1 / 30. Januar 2009 - 5. Schwat 5769

Bunter Reigen aus Musik, Theater und Klassik

Das Kulturprogramm 2009 des Zentralrats ist so umfangreich wie nie zuvor - Hier eine Auswahl für Interessierte

Zu Chanukkah 2008 war es soweit: Die Broschüre mit dem Kulturangebot des Zentralrats wurde wieder an alle jüdischen Gemeinden in Deutschland verschickt. Das Kulturprogramm 2009 wird bereits zum siebten Mal angeboten und es ist in diesem Jahr deutlich umfangreicher als im Vorjahr. Das liegt jedoch weniger an der im Judentum symbolträchtigen Zahl "Sieben" als vielmehr an der großen Nachfrage: Im Jahr 2008 fanden in knapp 90 Gemeinden 180 Veranstaltungen aus dem Kulturprogramm statt.
Das seit 2004 bestehende Kulturprogramm ist Jahr für Jahr gewachsen und hat sich sowohl in den Gemeinden als auch unter Künstlern sehr etabliert. Mit seinem Angebot will der Zentralrat der Juden die Integration der jüdischen Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in mehrfacher Hinsicht unterstützen. Es soll den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinden sowie interessierten Außenstehenden die unterschiedlichen Facetten der jüdischen Kultur nahe bringen. Gleichzeitig fördert dieses Programm den kulturellen Austausch innerhalb der Jüdischen Gemeinden. Die Künstler sind in der Regel Juden - größtenteils Zuwanderer -, die Kultur-Programme mit jüdischem Inhalt präsentieren: So wird bei klassischen Konzerten etwa der Schwerpunkt auf Werke von jüdischen Komponisten gelegt, Theaterstücke beschäftigen sich mit Problemen und Sorgen jüdischer Menschen und die Ausstellungen haben die Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, jüdische Sakralbauten sowie jüdische Geschichte zum Thema. Die Gemeinden können aus dem Angebot jeweils zwei attraktive Veranstaltungen für ihre Mitglieder und das interessierte Publikum auswählen. Wie in den Vorjahren ist auch in diesem Jahr auf der Basis von Empfehlungen aus den Gemeinden und persönlichen Bewerbungen der Künstler eine buntes und breites Angebot aus den Bereichen Theater (Deutsch und Russisch), klassische Konzerte, Chasanut und Unterhaltung entstanden. Hier einige Beispiele aus dem umfangreichen Programm:
Das Figurentheater Lappanoptikum aus Oldenburg führt mit selbsthergestellten Puppen eine Bearbeitung von Samuil Marschaks Das Katzenhaus auf. Der junge aus Odessa stammende und heute in Berlin lebende Schauspieler Evgenij Verenin brilliert in dem Ein-Personen-Stück "Ein ganz gewöhnlicher Jude" von Charles Lewinsky in deutscher Sprache. In Russisch führt hingegen das Bremer Theater Fankoni um Yury Zelkin das gleichnamige Stück "Café Fankoni" auf.
Wie in den Vorjahren gibt es auch 2009 einige Angebote aus dem Bereich der liturgischen Musik. Zum wiederholten Mal ist der aus Israel stammende und in Berlin amtierende Kantor Isaac Sheffer dabei. Er wird vom Berliner Synagogal-Ensemble unter Leitung von Regina Yantian begleitet. In Deutschland noch relativ unbekannt ist die Kombination von Kantorengesang mit Gitarrenbegleitung wie sie der Berliner Kantor Jochen Fahlenkamp zusammen mit Boris Rosenthal anbietet.
Anlässlich des 100. Geburtstages der Stadt Tel Aviv in diesem Jahr wurden einige Konzertprogramme mit israelischen Inhalten aufgenommen, wie zum Beispiel Liederabende mit der israelischen Sopranistin Merav Barnea in Begleitung von Adi Bar (Klavier), die beide an renommierten deutschen Theatern engagiert sind, oder mit den ebenfalls in Israel geborenen Assaf Levitin (Bassbariton) und Dan Deutsch (Klavier), die heute beide in Berlin leben. Die Sparte Unterhaltung ist traditionell die beliebteste in den Gemeinden. Von den zahlreichen Angeboten aus diesem Bereich hier nur weinige Beispiele: jiddischer Hiphop à la Jewdyssee, klassischer und experimenteller Klezmer z.B. von Queen Esther's Klezmer Trio, Klezmer Alliance oder Marina Baranova (Klavier) mit Helmut Eisel (Klarinette) oder Susanne Weinhöppel (Harfe) bis zu Swing und Jazz-Projekten von Boris Frumkin, Leon Gurvitchs Jazz Project, Kaljushny-Trio oder Roman Kuperschmidt Klezmer Musik Band bis zu Ladino-Stücken von Bella Liebermann. Mit Kol Rina aus Bochum wird erstmals ein Vokalensemble angeboten.
Auch im Bereich der klassischen Musik ist die Konkurrenz groß und das Angebot vielfältig. Einige Künstler, wie etwa das Streichquartett der Jüdischen Kammerphilharmonie aus Recklinghausen bieten anlässlich des diesjährigen 200. Geburtstages Felix Mendelssohns spezielle Konzerte an.
Einen genauen Überblick über das aktuelle Kulturangebot finden Sie auf der Homepage des Zentralrats:
http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/35.html. zu