9. Jahrgang Nr. 1 / 30. Januar 2009 - 5. Schwat 5769

Liberale Synagoge in Hannover eingeweiht

Für die jüdischen Gemeinden Niedersachsen war der 25. Januar 2009 ein besonderer Tag: An jenem Sonntag wurde in Hannover die größte liberale Synagoge in Deutschland eingeweiht. Rund 550 Gäste nahmen an dem Festakt teil, darunter Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann und der katholische Bischof Norbert Trelle. "Etz Chaim" (Baum des Lebens) heißt das neue Gotteshaus, das nach zweijähriger Umbauzeit aus einer evangelischen Kirche entstanden ist. Es werde eine offene Einrichtung sein, "kein ‚closed shop' für Juden", versprach Ingrid Wettberg, Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. "Mit diesem Gebäude hat das liberale Judentum in Niedersachsen nach den Zerstörungen des Nationalsozialismus wieder Fuß gefasst und eine neue Basis gewonnen."
Charlotte Knobloch nannte es einen "heiklen, mutigen Beschluss", ein christliches in ein jüdisches Gotteshaus umzuwandeln. "Damit wurde ein neuer, lange undenkbarer Weg eingeschlagen." Bischöfin Käßmann wertete es als "Anlass zur Freude", dass 70 Jahre nach der Pogromnacht eine Synagoge in den Räumen einer früheren Kirche geweiht werde. "Wir haben als Kirche Schuld auf uns geladen, als wir schweigend die Zerstörung der Synagogen hingenommen haben", zitiert sie der Evangelische Pressedienst.
Die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover besteht seit 1975. Sie zählt knapp 600 Mitglieder aus 14 Nationen. Rund drei Millionen Euro hat die Errichtung ihres Gemeindezentrums gekostet. Je ein Drittel des Geldes wurde vom Land Niedersachsen, der Stadt Hannover und durch die Gemeinde selbst aufgebracht. hud