8. Jahrgang Nr. 12 / 19. Dezember 2008 - 22. Kislew 5769

„Intoleranz ist menschenverachtend“

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt sich für jüdisches Leben ein und erhielt dafür in Düsseldorf die Josef-Neuberger-Medaille

Weil sie sich in vorbildlicher Weise dafür einsetze, „dass jüdisches Leben in Deutschland wieder wächst und blüht“, hat die Jüdische Gemeinde Düsseldorf Bundeskanzlerin Angela Merkel am 10. Dezember ausgezeichnet. Angela Merkel erhielt die Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf auch für ihre „klare Haltung“ im Atomstreit mit dem Iran und ihre partnerschaftliche Unterstützung für den Staat Israel. Die Auszeichnung bedeute ihr viel, sagte Merkel im Düsseldorfer Schauspielhaus. Sie sei ihr „Ansporn, gegen jegliche Form von Antisemitismus und Extremismus vorzugehen.“
Sie rief zum Engagement gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus auf und beklagte, dass es immer wieder zu solchen Auswüchsen komme. Jeder in der Zivilgesellschaft sei gefordert, sich dagegen einzusetzen. „Wenn die NPD ihre Parolen in Landtagen und auf der Straße verkündet, sollten wir widersprechen und das nicht achselzuckend hinnehmen.“ Intoleranz sei menschenverachtend.
Die Kanzlerin sprach sich zugleich für das Existenzrecht Israels aus. „Wir lassen Israel nicht allein“, so Merkel. „Das ist Teil deutscher Staatsräson.“ Dass der Iran das Land bedrohe, dürfe nicht als „Israels Privatproblem“ angesehen werden. Vielmehr würden damit auch Deutschland und alle freiheitlichen Völker bedroht.
Die Kanzlerin hob zugleich die Integrationsleistung der jüdischen Gemeinden in Deutschland hervor. Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion seien eine Bereicherung. Der Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“, Josef Joffe, sprach in seiner Laudatio von einem „Quantensprung“, den Merkel in der deutschen Israel-Politik vollzogen habe. Für sie sei die Existenz des Landes keine Sache der „Sentimentalität oder Sonntagsreden“, sondern der deutschen Staatsräson. Sie verknüpfe einen moralischen Anspruch mit Nationalinteressen.
An dem Festakt nahmen Hunderte Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil, darunter Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch, der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU).
Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Düsseldorfer Jüdische Gemeinde auf Initiative von Paul Spiegel sel.A. seit 1991 nicht-jüdische Persönlichkeiten, die sich um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Merkel wurde für ihr Eintreten für Israel und ihre Anteilnahme an den Sorgen der jüdischen Gemeinden in Deutschland gewürdigt, wie der Gemeinde-Vorstandsvorsitzende Juan-Miguel Strauss sagte.