8. Jahrgang Nr. 12 / 19. Dezember 2008 - 22. Kislew 5769

Mit dem Zug in die Freiheit

Skulptur erinnert an rettende Kindertransporte von Berlin nach England

Zum 70. Jahrestag der Rettungstransporte von Kindern während der NS-Zeit nach England wurde am 30. November eine Skulptur in Berlin enthüllt. Das Denkmal am Bahnhof Friedrichstraße ist den fast 10.000 jüdischen Kindern, die bis zum Kriegsausbruch 1939 aus Deutschland Österreich, Polen und der Tschechoslowakei gerettet werden konnten, gewidmet, sagte Lisa Schäfer von der privaten Initiative „Kindertransporte: Züge ins Leben - Züge in den Tod“. Die Figuren, die am Südwesteingang des Bahnhofs stehen, wurden von dem heute 80-jährigen jüdischen Künstler Frank Meisler entworfen, der mit einem der letzten Transporte aus Danzig über Berlin, Aachen und Rotterdam nach England kam. Neben Meisler nahmen knapp 100 ehemalige Transportkinder aus aller Welt an der Einweihung an der Ecke Georgen-/Friedrichstraße teil. Sie kamen aus New York, Jerusalem, London und Wien an den Ort zurück, der für sie Weiterleben bedeutete. „Ich hatte das große Glück, mit dem ersten Kindertransport Berlin verlassen zu können“, sagte der Zeitzeuge Leslie Brent aus London. Seine Eltern hätten ihn unter großem Kummer gehen lassen. Sie wurden später ermordet.
Das Denkmal zeigt insgesamt sieben Kinder: Zwei Figuren stehen dabei symbolisch für die geretteten Kinder, fünf für die, die zurückbleiben mussten und dann deportiert wurden. Nach England durften jüdische Kinder bis zum Alter von 17 Jahren einreisen, für die ein Förderer gefunden wurde. Die Transporte wurden bis zum Kriegsausbruch von den Nationalsozialisten geduldet. Berlin sei der Ort, von dem die ersten Kindertransporte ausgingen, sagte Schäfer. Die Skulptur wurde von Holocaust-Überlebenden aus Israel finanziert.
epd/zu