8. Jahrgang Nr. 11 / 28. November 2008 - 1. Kislew 5769

Von deutschen Juden in Israel

Ausstellung in Berlin erzählt, warum die „Jeckes” so wichtig waren für die Entwicklung des Landes

Als viele deutschsprachige Einwanderer aus ganz Mitteleuropa zwischen 1933 und 1939 als Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Palästina flohen, brachten sie ihre spezifischen Eigenarten und Qualitäten mit, die den Aufbau des Staates Israel wesentlich prägten. Die sogenannten Jeckes kamen oft nicht aus zionistischer Überzeugung, sondern weil es sonst kaum Möglichkeiten für sie gab, eine neue Heimat zu finden.

Die Berliner Ausstellung im Centrum Judaicum beschäftigt sich nun erstmals mit der Rolle der Jeckes, die oft als gut gebildete Ärzte, Lehrer, Anwälte oder Architekten nach Israel kamen und im gelobten Land ihre Karriere oft neu und auf niedrigerem Niveau beginnen mussten. Aber ihre Prägung in der Weimarer Republik erlaubte es ihnen, besonders in der Wirtschaft und Verwaltung in Israel, den freien Berufen und der Kunst Fuß zu fassen.

Einer von ihnen war Israel Shiloni, 1901 in Berlin als Hans-Herbert Hammerstein geboren, hat er in Nahariya ein Museum der Jeckes aufgebaut, das sich bis heute diesem Erbe widmet. Der Unternehmer Stef Wertheimer, der als Jugendlicher aus Süddeutschland nach Israel kam, und heute einer der erfolgreichsten Industriellen in Israel ist, hat dem Museum im Tefen Industriepark eine neue Heimstatt gegeben.
Die Ausstellung in Berlin zeigt auf 29 Tafeln, welche gesellschaftlichen Bereiche in Israel von Juden aus Mitteleuropa geprägt wurden. Unternehmen wie Iscar, das erfolgreiche Pharmaunternehmen Teva oder Strauss-Nahrungsmittel gehen auf den Erfindergeist von Jeckes zurück . Auch das Bildungssystem in Israel basiert auf deutschem Know-how, ebenso der „weltoffene, europäische Charakter der israelischen Städte”, so die Kuratoren.

Ein siebenminütiger Film mit historischen Aufnahmen führt in das Thema ein und der Dokumentarfilm von David Witzthum Nahariyade (2002) zeichnet ein einfühlsames Porträt der Stadt Nahariya und ihrer deutsch-jüdischen Gründergeneration. Die Ausstellungsräume auf der ehemaligen Frauenempore der Neuen Synagoge im Berliner Centrum Judaicum wird zum ehemaligen Synagogenraum hin von einer transparenten Wand mit den Namen der über 55 000 ermordeten Berliner Juden begrenzt. Die Arbeit der israelischen Künstlerin Penny Yassour „Screens” zeigt auf zwei Kaut­schukplatten das Schienennetz der Deutschen Reichsbahn von 1938 und damit den historischen und geographischen Ausgangspunkt für die Auswanderung der Juden aus Deutschland nach Israel.
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„Jeckes” im Centrum Judaicum, Oranieburger Straße 28-30, 10117 Berlin, bis 31. Dezember 2008