8. Jahrgang Nr. 11 / 28. November 2008 - 1. Kislew 5769

Ehre für Rabbiner Schlomo Rülf

Neuer Platz vor dem Saarcenter wird nach ehemaligem Gemeinderabbiner benannt

Der noch zu bauende Platz vor dem Saarcenter wird nicht Berliner Platz heißen. Der Bezirksrat entschied sich dafür, ihn nach dem früheren Saarbrücker Rabbiner Friedrich Schlomo Rülf zu benennen.

Seit Jahrzehnten versuchen der Bezirksrat Mitte, die Synagogen-Gemeinde Saar und die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes einen Mann zu ehren, indem sie eine Straße oder einen Platz nach ihm benennen. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Saarbrücker Rabbiner, Friedrich Schlomo Rülf (siehe Kasten). Jetzt scheint ein Platz gefunden zu sein, der dem einstigen Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime würdig ist. Denn der neue Platz, der vor dem Saarcenter entsteht, wenn die Berliner Promenade umgestaltet wird, soll Rabbiner-Rülf- Platz heißen. Das hat das Saarbrücker Bezirksrat Mitte jetzt entschieden.

Die Verdienste des Rabbiners sind unumstritten. Bis zu seiner Auswanderung nach Palästina 1935, organisierte Rülf , der 1929 die jüdische Gemeinde in Saarbrücken übernommen hatte, den Widerstand gegen Hitler. 1951 kehrte er ins Saarland zurück, um beim Wiederaufbau seiner früheren Gemeinde mitzuhelfen. Während dieses einjährigen Aufenthaltes hielt er auch die Einweihungspredigt in der heutigen Synagoge.

Seit 1997 verleiht die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes die Schlomo- Rülf -Medaille an Personen, Institutionen und Initiativen, die sich besonders um die Verständigung zwischen Juden und Christen verdient gemacht haben.

Eigentlich hätte der neue Platz „Schlomo- Rülf - Platz „ heißen sollen, damit hätten viele Saarbrücker aber womöglich nichts anfangen können. „Der Name Rabbiner-Rülf-Platz ist griffiger für die Bevölkerung”, stimmt Richard Bermann, der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, den Bezirksräten zu. Herbert Jochum, der Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft, freute sich über die Entscheidung: „Das ist ein Akt, der bis nach Israel wahrgenommen wird.” Iris Neu, Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Saar, sagte: „Das ist ein längst überfälliges Zeichen, weil dieser Name der Stadt Saarbrücken Ehre macht.” al / Aus: Saarbrücker Zeitung
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Zur Person
Friedrich Schlomo Rülf wurde 1896 in Braunschweig geboren, nach dem Abitur 1914 studierte er in Breslau jüdische Theologie und Philosophie. Nach Abschluss seiner Promotion in Erlangen, arbeitete er ab 1922 als Rabbiner in Hamburg, 1929 übernahm Rülf die jüdische Gemeinde in Saarbrücken. 1935 wanderte der Rabbiner nach Palästina aus. 1951 kehrte er für ein Jahr nach Saarbrücken zurück, um beim Wiederaufbau der Gemeinde zu helfen. 1976 starb er im Schweizer Vevey.
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