8. Jahrgang Nr. 10 / 31. Oktober 2008 - 2. Cheschvan 5769

Wie Gemeinden den 9. November gestalten

Was planen die Jüdischen Gemeinden in Deutschland am 9. November 2008, dem 70. Jahrestag der Reichpogromnacht? Der Zentralrat der Juden hat mit Hilfe einer Umfrage in den 107 jüdischen Gemeinden versucht, dies herauszufinden.
In den ca. 50 Gemeinden, die auf die Umfrage geantwortet haben, wurde bereits lange im Vorfeld des 9. November in den Vorständen, mit Rabbinern und Lehrern über die Bedeutung und Gestaltung dieses Ereignisses intensiv diskutiert. Es wurden Fragen behandelt, wie angemessen über dieses Ereignis informiert werden könne, wie gedacht werden solle, ohne dass der Gedenktag zur bloßen „Pflichtübung" verkommt, wie die Ereignisse anhand von persönlichen Biographien veranschaulicht und inwiefern Jugendliche mit einbezogen werden können.
Herausgekommen ist eine breite Angebotspalette, die neben den auch in anderen Jahren üblichen Kranzniederlegungen, Ansprachen, Namenslesungen, Gedenkgottesdiensten und Zeitzeugengesprächen, folgende Veranstaltungen umfasst: Führungen, Gedenk- und Schweigemärsche, Mahnwachen, Fackelzüge, z. B. zu Deportationsorten und/oder neuen Orten jüdischen Lebens, es werden Kulturveranstaltungen wie Konzerte und Theater, nächtliche Synagogenbeleuchtungen innen und außen zum Teil mit Glockengeläut der benachbarten Kirchen sowie Extra-Unterricht in Sonntagsschule und im Jugendzentrum angeboten.
Die geplanten Gedenkveranstaltungen werden größtenteils nicht alleine von den Gemeinden organisiert, vielmehr haben sich die Vorstände Kooperationspartner gesucht. Mitverantwortlich zeichnen entweder die entsprechenden Stadtverwaltungen oder Kirchen, Volkshochschulen und Gewerkschaften. Darüber hinaus gibt es eine enge Kooperation mit den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit vor Ort. Ungewöhnlich und eher die Ausnahme ist die Zusammenarbeit und gemeinsame Gestaltung des Gedenktages mit einer islamischen Gemeinde, die die Jüdische Gemeinde Bad Segeberg initiiert hat.
Aufgrund des besonderen Datums haben einige Gemeinden in diesem Jahr außergewöhnliche Ereignisse mit dem Gedenktag kombiniert: Am 9. November weihen die Gemeinden in Göttingen (siehe Artikel auf dieser Seite) und Lörrach ihre Synagogen ein und in Mainz findet die Grundsteinlegung für den Synagogenneubau statt.
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