8. Jahrgang Nr. 9 / 26. September 2008 - 26. Elul 5768

Hagenows Synagoge lebt (wieder)!

Was vom jüdischen Leben in der norddeutschen Provinz übrig geblieben ist

Es macht Mut, wenn die Initiative Einzelner Wunder bewirkt: In dem Landstädtchen Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern ist es gelungen, die 1828 geweihte Synagoge zu restaurieren und genau 180 Jahre später wieder mit Leben zu erfüllen. Wer sie zuvor in ihrem jämmerlichen Zustand gesehen hat, erkennt sie nach dem Umbau kaum wieder und freut sich gemeinsam mit dem Initiator, Henry Gawlick, Leiter des Hagenower Museums, und seinen Unterstützern über den hellen, kulturvollen Raum mit der Empore.

Angefangen hatte alles mit der am wenigsten aufwändigen Restaurierung des Nebengebäudes, in dem früher der Leichenwagen stand. Inzwischen ist auch die Synagoge wiederhergestellt - und das wurde im August drei Tage lang gefeiert. Freude und Wehmut bestimmten dabei die Atmosphäre. Viele Gäste kamen nach Hagenow, unter ihnen Gustav Gutmann aus Austin/Texas, dessen Großvater, Hirsch Samuel Meinungen, 1820 das Baugrundstück für die Synagoge an der Hagenstraße gekauft hatte. Nachdem 1907 die jüdische Gemeinde zu klein geworden war, kämpfte Meinungen als der letzte gewählte Gemeindevorsteher für den Erhalt des Gebäudes und gegen den Verkauf. Plünderung, Zwangsverkauf, Umnutzung und Verfall der Synagoge durch die Nazis und die DDR hat er nicht mehr erleben müssen.

Sein Enkel, der pensionierte Chemiker Gustav Gutmann, hat die weite Reise aus Texas nach Hagenow unternommen, um an der Feier teilzunehmen und um in fast perfektem Deutsch, vom Schicksal seiner Familie zu berichten. Nach der im Alter von zwei Jahren 1942 in Auschwitz ermordeten Hanna Meinungen soll das ehemalige Gemeindehaus mit Religionsschule nun benannt werden und als Jüdisches Museum dienen. Im Rahmen der bunten Feierlichkeiten wurde deutlich, dass zukünftig in Hagenow vielfältige Begegnungen und Projekte die Synagoge mit Leben erfüllen werden, ohne ihrer Würde entgegenzustehen.

Die eigentliche Synagoge ist von der Straße aus nicht sichtbar und liegt hinter dem früheren Schulgebäude des Ortes. Die Restaurierung beider Fachwerkbauten brachte überraschend Bedeutsames zutage: Im Dachgebälk der Synagoge wurden sehr alte hebräische Schriften gefunden und im Schulhaus die Mikwe unterhalb einer Treppe zum Keller.
um

Infos:
Museum für Alltagskultur der Griesen Gegend und Alte Synagoge Hagenow,
Telefon: 03883-722042
museum@hagenow.de