8. Jahrgang Nr. 9 / 26. September 2008 - 26. Elul 5768

„Das neue Zentrum ist ein Schmuckkästchen"

Neue Synagoge der Gemeinde Krefeld wurde mit viel Prominenz, Gebeten und einem großen Festakt feierlich eröffnet

Von Irina Leytus

Mit einem Festakt und prominenten Gästen hat am 14. September die Krefelder Gemeinde ihre neue Synagoge mit Gemeindezentrum eingeweiht. Fast auf den Monat genau, 70 Jahre nach der Zerstörung der zentralen Synagoge in Krefeld haben Juden damit in Zukunft wieder einen würdigen Ort zum Beten und Nichtjuden einen Ort der Begegnung mit den unterschiedlichen Facetten des Judentums. Neben der Synagoge für etwa 250 Beter, hat das Gemeindezentrum einen Festsaal, Bibliothek, Cafeteria, Spiel- und Lernräume für die zahlreichen Lerngruppen und Klubs der Krefelder Gemeinde.

Die Besonderheit des neuen Gebäudekomplexes in der Krefelder Innenstadt: Der Neubau entstand im Innenhof eines Altbaus, in dem die Krefelder Gemeinde bereits jahrelang Mieter war. Somit wird die neue Qualität des jüdischen Lebens in Krefeld plastisch sichtbar: fest verankert im Leben der Stadt, in sich schlüssig, aber offen nach Außen. Der Synagogenraum beeindruckt durch die Helligkeit und Würde, aber auch durch die Schlichtheit der Gestaltung. An das frühere Bethaus erinnert im Neubau ein Fenster aus dem Jahre 1928, das mit Hilfe von privaten Spenden rekonstruiert werden konnte. Die Tatsache, dass sich die neuen Räume im Innenhof befinden, lässt den Gemeindevorsitzenden, Johann Schwarz, scherzen: „Das Zentrum ist ein Schmuckkästchen von innen zu öffnen."

Die Krefelder Gemeinde hat heute 1000 Mitglieder, die meisten davon sind Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Vor 1990 gab es in der ca. 230.000 Einwohner zählenden nordrhein-westfälischen Stadt nur 120 Gemeindemitglieder. Der Gemeindevorsitzende Schwarz ist davon überzeugt, dass in Krefeld die Integration der neuen Mitglieder gelungen ist, da sie das Leben der Gemeinde kreativ und aktiv mitgestalten: Neben dem Chor der Gemeinde, arbeitet ein Seniorenklub, und im Jugendklub kümmern sich die älteren Gemeindemitglieder ehrenamtlich um die Kinder. Ganz wichtig ist Johann Schwarz, der im Hauptberuf Leiter des Amtsgerichtes ist, die Öffnung der Gemeinde nach Außen. Das Angebot der Führungen wird künftig ausgebaut, und der neue Festsaal bietet Raum für kulturelle Begegnungen zwischen den Kulturen und den Krefeldern. Bereits Ende September wird es ein Konzert im Gemeindezentrum geben. Eine Konzertreihe mit der Mennoniten-Gemeinde und der Alten Kirche ist für das Mendelssohnjahr 2009 geplant.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zählten zu den 400 geladenen Gästen bei der Eröffnung. Knobloch sagte, die neue Synagoge sei eine Bereicherung für das städtische Leben in Krefeld und fördere die Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden. 70 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen grenze die Rückkehr der Juden an ein "Wunder". Die Juden seien wieder zurück in die Mitte der Gesellschaft gekommen und ließen sich diesen Platz nicht mehr streitig machen.

Rüttgers sagte: "Den Reichtum an Möglichkeiten durch jüdisches Leben in Nordrhein-Westfalen lassen wir uns nicht von den Anhängern totalitärer, menschenverachtender Ideologien kaputtmachen." Diese Möglichkeiten dürften nicht brüchig werden, "weil wir zurückweichen vor Extremisten und Terroristen". Angst verhindere Offenheit, und Hass lasse der Zukunft keinen Raum, betonte der Ministerpräsident.