8. Jahrgang Nr. 9 / 26. September 2008 - 26. Elul 5768

Nachrichten

Liste jüdischer Einwohner von 1933 bis 1945 übergeben

In Anwesendheit von Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, ist am 18. September dem Bundeskanzleramt eine Datensammlung mit persönlichen Angaben von insgesamt rund 600.000 jüdischen Einwohnern, die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland gelebt haben und wegen ihrer jüdischen Abstammung vom nationalsozialistischen Gewaltregime verfolgt und diskriminiert wurden, übergeben worden. Die „Liste jüdischer Einwohner des Deutschen Reiches" wurde im Auftrag der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" durch das Bundesarchiv erstellt. Die Liste gibt Auskunft über Namen und Wohnorte jüdischer Einwohner, ihre Emigration, Inhaftierung oder Deportation sowie über Todesdaten und -orte. Aus circa 2,5 Millionen Datensätzen ist es mit viel Engagement und großer Sorgfalt gelungen, diese Menschen jüdischen Glaubens zu identifizieren.

Günter Saathoff, vom Vorstand der Stiftung, unterstrich bei der feierlichen Übergabe der Dokumentation an Staatsministerin Hildegard Müller noch einmal die Bedeutung: Wir wollen mit dieser Liste einen kleinen Beitrag dazu leisten, auch den Nachkommen ein Verständnis dessen, was jüdisches Leben in Deutschland war und wer es konkret war, zu ermöglichen, mithin einen Baustein zur Rekonstruktion jüdischer Identität beitragen. Die Bundesregierung wird die Liste der Gedenkstätte in Yad Vashem, dem Jüdischen Museum in Berlin, der Jewish Claims Conference, dem Holocaust-Museum in Washington, der Stiftung Neue Synagoge -Centrum Judaicum und dem Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen zur Verfügung stellen.
zu

Landesrabbiner für Niedersachsen

Erstmals seit 1995 hat Niedersachsen seit gestern wieder einen Landesrabbiner: Mit der Ernennung von Jonah Sievers in das Spitzenamt will die wachsende jüdische Gemeinschaft ihre Strukturen und den Dialog mit der Außenwelt stärken. Der neue Landesrabbiner möchte sich vor allem um die weitere Etablierung jüdischen Religionsunterrichts in Niedersachsen kümmern. Eine weitere Herausforderung ist für Sievers der Dialog mit anderen Religionen und anderen interessierten Gruppen. Sievers wurde in Hannover geboren und studierte an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg und dem Leo-Baeck-College in London. Seit 2002 ist Sievers Gemeinderabbiner von Braunschweig und betreut außerdem die Gemeinden in Hameln, Hildesheim, Göttingen und Bad Nenndorf. Der 37-Jährige ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seit Anfang der 90er-Jahre hat sich die Zahl der Menschen jüdischen Glaubens in Niedersachsen von 600 auf rund 9000 verfünfzehnfacht.
zu