8. Jahrgang Nr. 8 / 29. August 2008 - 28. Av 5768

Schwedischer Rechtsextremist kauft Villa in Berlin

Sicherheitsbehörde bestätigt Immobilienerwerb in Zehlendorf. Unternehmer gilt als Finanzier der Szene mit engem Kontakt zur NPD

Der schwedische Rechtsextremist und Unternehmer Patrik Brinkmann hat in Zehlendorf eine Villa erworben. Dies bestätigten Berliner Sicherheitsbehörden. Brinkmann hat 2004 die Stiftung „Kontinent Europa“ gegründet, ein Sammelbecken rechtsgerichteter Wissenschaftler und Publizisten. Es bleibe abzuwarten, ob die Immobilie „ein Sitz“ der rechten Szene werde und ob Brinkmann hier Aktivitäten entfalten werde, hieß es weiter. Soweit bekannt wurde, handelt es sich bei dem Kauf um ein Mehrfamilienhaus auf einem attraktiven Wassergrundstück. Hier wohnen vier Familien, eine Wohnung steht offensichtlich leer. Auf einem separaten Klingel-Tableau am massiven Zaun findet sich der Name Brinkmann sowie die Klingel zu einem „Büro“. Das Haus ist mit Videokameras gesichert.

Sicherheitsexperten sagen, dass es in der Villa hier bislang keine Aktivitäten von Neonazis gegeben habe. Eine Mieterin bestätigte, dass das Haus im vergangenen Jahr verkauft worden sei. Angaben zum Eigentümer wollte sie nicht machen, betonte aber, dass sie schon lange hier wohne und auch bleiben wolle. Für die Aktivitäten von Brinkmann interessiert sich inzwischen das Bundesamt für Verfassungsschutz, das für internationale Kontakte zuständig ist. Nach Informationen des „Spiegels“ soll Brinkmann die Villa in Zehlendorf im April 2007 für 3,3 Millionen Euro erworben haben, angeblich für „rein private Zwecke“.

Im Vorstand der von Brinkmann gegründeten Stiftung sitzt unter anderem das NPD-Bundesvorstandsmitglied Andreas Molau. Molau hatte im Mai 2007 als Bevollmächtigter eines schwedischen Unternehmens versucht, ein Grundstück im brandenburgischen Rauen zu kaufen, um dort ein Schulungszentrum einzurichten. Um den Hof in Rauen bei Fürstenwalde wird seitdem juristisch heftig gerungen. Denn Molau hatte, obwohl der Kauf des 20-Hektar-Anwesens über die schwedische Firma Startplattan gescheitert war, den Hof an die NPD vermietet. Die Partei weigert sich nun, wieder auszuziehen.

Sicherheitsexperten sehen durchaus eine Verbindung zwischen der Stiftung Kontinent Europa und der schwedischen Firma Startplattan. Der Unternehmer Brinkmann stammt aus Jönköping, dort hat auch die Firma Startplattan ihren Sitz. Es sei nicht auszuschließen, dass das Geld für den Kauf des Grundstücks in Rauen von der Stiftung Europa kam.

Hinter der Stiftung stecken nach Ansicht der Experten schwedische, deutsche und vor allem russische Rechtsextremisten, wobei letztere die Geldgeber sein sollen. Hinweise auf eine Verquickung mit russischen Regierungskreisen lägen derzeit aber nicht vor, hieß es. Im vergangenen November hatte die Vereinigung in Berlin ihr Führungstreffen abgehalten. Dass Brinkmann sich auch in Deutschland einmischen will, zeigt unter anderem ein Beitrag von ihm auf der Internetseite seiner Stiftung „zur anhaltenden Integrationsdebatte in Deutschland“. Dort ist von „Gewalt von Einwanderern gegen die gastgebenden Völker Europas“ die Rede, zudem fordert Brinkmann die Umwandlung von Moscheen in Kirchen.
fj/jh
Aus Der Tagesspiegel vom 13. Juli 2008