Grußwort der Oberbürgermeisterin der Stadt Heidelberg, Beate Weber

Sehr geehrte Damen und Herren,

Heidelberg darf sich glücklich schätzen, mit der Hochschule für Jüdische Studien die bedeutendste Forschungs- und Lehrstätte des deutschen Judentums in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg ansässig zu haben. Im Namen der Stadt Heidelberg und des Gemeinderates gratuliere ich zum 25jährigen Bestehen.
Zusammen mit dem Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland und der Jüdischen Kultusgemeinde belegt die Hochschule die Aktualität jüdischer Existenz heute.

Dass heute wieder Juden in Deutschland leben, ist nach dem millionenfachen Mord und der Zerstörung des europäischen Judentums alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Auch Heidelberg hat Anteil an dieser düsteren Seite der deutschen Geschichte: Pogrome und Vertreibungen im Mittelalter, kleinlichste Beschränkungen im 18. Jahrhundert, die antisemitischen Auftritte von 1819 und 1848 und die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft machen Heidelberg zu einer Stadt wie alle anderen in Deutschland auch.

Aber es gibt auch die Gegenseite. Heidelberg war immer wieder ein Ort der Toleranz und ein Ort jüdischer Selbstbehauptung:

• Johannes Reuchlin lehrte an der Heidelberger Universität und trat für den Erhalt jüdischer Schriften ein.

• Kurfürst Karl Ludwig machte Jakob Israel nicht nur zu seinem Leibarzt, sondern ernannte ihn auch zum Professor an der Universität.

• Gotthold Ephraim Lessing, der Autor des Schauspiels „Nathan der Weise“, war gelegentlicher Gast in Heidelberg.

• Der Kaufmann David Zimmern war der erste Jude mit vollem Bürgerrecht und gehörte dem Oberrat der Israeliten in Baden an.

• Der Orientalist Gustav Weil ertrotzte sich 1861 ein Ordinariat – nach Jakob Israel der zweite jüdische Hochschullehrer in Heidelberg.

• Stadtpfarrer Hermann Maas schließlich vertrat in finsterster Zeit die Prinzipen der Menschlichkeit und wird bis heute dafür in Israel geehrt.


Das alles sind Vorbilder und Traditionen, auf die wir uns heute stützen können und die uns die Kraft geben, dem Ungeist von Intoleranz und Rassismus zu widerstehen.
Wie wichtig dies auch in der heutigen Zeit ist, hat Bundeskanzler Gerhard Schröder vor kurzem in seiner Laudatio auf den ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau im Jüdischen Museum Berlin anlässlich der Verleihung des Preises für Verständigung und Toleranz betont. „Wir werden jeder Form von Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Antisemitismus weiter mit aller Entschiedenheit entgegentreten“, sagte der Bundeskanzler. Er betonte die Bedeutung der Achtung von Menschen- und Minderheitenrechten sowie die Garantie der Meinungs-, Glaubens- und Religionsfreiheit.
Zu diesen Freiheiten trägt auch die Bildung bei, denn sie befähigt den Menschen zu kritischem und mündigem Urteil. Nicht zuletzt sind Bildungseinrichtungen in unserem Land gerade deshalb so von Bedeutung, insbesondere auch diejenigen, die sich mit anderen Völkern, Kulturen und Religionen befassen.

Ich freue mich daher, dass die Gründung der Hochschule für Jüdische Studien vor 25 Jahren in Heidelberg stattgefunden hat und dass sie seither die Weltoffenheit und Wissenschaftsfreundlichkeit unserer Stadt stärkt. Ich gratuliere der Hochschule zu den Erfolgen, die sie in diesen 25 Jahren erreicht hat, u. a.:

• das Promotionsrecht,
• die Erweiterung des Lehrkörpers und
• die Ausdehnung des Lehrangebots, besonders den Einstieg in die Rabbinersausbildung.

Als Oberbürgermeisterin dieser Stadt habe ich die Hochschule für Jüdische Studien immer gerne unterstützt, so wie mein Amtsvorgänger Reinhold Zundel, und schätze ihren besonderen Beitrag zum Wissenschaftsstandort Heidelberg. Ich bin zuversichtlich, dass die gute Partnerschaft mit der Universität und der Stadt Heidelberg auch in den kommenden 25 Jahren gut und erfolgreich sein wird.

Ich freue mich, heute einen der Preisträger unseres Clemens-Brentano-Preises wieder zu sehen. Der Festredner Dr. Doron Rabinovici wurde im Jahr 2002 für seinen Essayband „Credo und Credit“ mit diesem Preis der Stadt Heidelberg ausgezeichnet. Ich bin sicher, dass uns ein interessanter Vortrag erwartet.

Ich wünsche der Hochschule für Jüdische Studien hier in Heidelberg auch weiterhin viel Erfolg und für die Jubiläumsfeierlichkeiten gutes Gelingen.